• Anastasia Michailova

„DART-Mission“: NASA testet Manöver zur Ablenkung von Asteroiden

Derzeit befinden sich rund 27.000 Asteroiden in Erdnähe, ein Drittel von ihnen ist über 140 Meter groß. Wie können wir uns vor einem Einschlag schützen?


„DART-Mission“: NASA testet Manöver zur Ablenkung von Asteroiden auf Kollisionskurs, Astronomie, Raumfahrt, Weltraum, Kosmos, Einschlag, Weltuntergang, Apokalypse, Armageddon, Technologie, SpaceX, Elon Musk, Sci-Fakt, Wissenschaft, Anastasia Michailova
Bild: ID 9866112 (Pixabay)

Ein Szenario wie aus dem Actionklassiker „Armageddon“ mit Bruce Lee: Am 24. November startete eine SpaceX „Falcon 9“-Rakete von der Vandenberg Space Force in Kalifornien, die eine ganz besondere Fracht in den Weltraum befördert - Eine Sonde, die einen Asteroiden „aus seiner Bahn kegeln“ soll. Diese hat einen langen Weg vor sich. Zehn Monate ist sie unterwegs, angetrieben durch ein Solarzellen-Segel.



Die mit einer Kamera ausgestatteten Sonde soll kommenden Oktober den Asteroiden Dimorphos treffen und seine Flugbahn verändern. Mit dieser Mission namens „DART“ (Double Asteroid Redirection Test) erhofft sich die NASA neue Erkenntnisse darüber, inwiefern sich Objekte auf Kollisionskurs mit der Erde abwehren lassen. Der gesamte Test kostet rund 330 Millionen Dollar. Kurz nach dem Raketenstart twitterte die NASA voller Euphorie: „Asteroid Dimorphos: Wir kriegen dich.“


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Der Raketenstart am Mittwochmorgen, Bild: NASA auf Twitter (@NASA)
„DART verwandelt Science Fiction in wissenschaftliche Fakten und bezeugt die vorausschauende Innovationskraft der NASA zum Nutzen aller. Die NASA untersucht unser Universum und unseren Heimatplaneten auf so viele Weisen, und zusätzlich arbeiten wir auch daran, unser Zuhause zu schützen - und dieser Test wird dabei helfen, eine mögliche Vorgehensweise zu untersuchen, unseren Planeten vor einem gefährlichen Asteroiden zu schützen, sollte einer entdeckt werden, der auf die Erde zurast.“ – NASA-Chef Bill Nelson

Kann der Asteroid erst durch den Test auf Kollisionskurs geraten?


Bisher sind der NASA keine wirklich gefährlichen Asteroiden bekannt. Dimorphos ist „eine Art Mond“ des Asteroiden Didymos. Dimorphos hat einen Durchmesser von etwa 160 Metern und stellt nach Angaben der NASA keine Gefahr für die Erde dar. Doch was ist, wenn die DART-Mission fehlschlägt und den ungefährlichen Asteroiden erst auf Kollisionskurs mit der Erde bringt?



Die NASA versichert, dass dieses Experiment keinerlei negative „Nebenwirkungen“ haben kann und Dimorphos unschädlich bleibt. Ziel des Sonden-Aufpralls ist es, die etwa zwölfstündige Umlaufbahn des Asteroiden um rund 1 – 10 Minuten zu verkürzen („mindestens 73 Sekunden“). Im Jahr 2024 soll die ESA-Mission „Hera“ starten und die tatsächlichen Auswirkungen des Aufpralls untersuchen. Erst dann kann mit Sicherheit geschlussfolgert werden, was genau der Test wirklich gebracht hat.


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Die DART-Mission als Grafik, Bild: Johns Hopkins Applied Physics Lab / NASA

Weitere Abwehrmöglichkeiten denkbar


Natürlich sind Forscher überall auf der Welt daran interessiert unseren Planeten vor einem Asteroideneinschlag zu schützen. Die aufstrebende Weltraumnation China experimentierte bereits mit Simulationen, in denen gezielte Raketeneinschläge Asteroiden von ihrer ursprünglichen Umlaufbahn ablenken sollen. Auch die Zündung von nuklearen Sprengkörpern auf der Asteroidenoberfläche birgt großes Potenzial.

 

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Laut einer chinesischen Simulation würden die Einschläge von 23 Raketen des Typs „Langer Marsch 5“ einen Asteroiden, der ungefähr das 1,4-fache des Erdradius von uns entfernt ist und eine bestimmte Größe hat, bereits ablenken können.


Der Praxis-Test ist sehr wichtig


Es ist von großer Bedeutung, die Möglichkeiten einer Asteroidenabwehr erfolgreich zu testen, bevor der Ernstfall eintritt. Noch scheint die Lage entspannt zu sein, aber theoretisch könnte sich das in jedem Moment ändern. Die Menschheit muss sicher sein, dass die zur Verfügung stehenden Mittel tatsächlich funktionieren werden. Außerdem würde man den Asteroiden so früh wie möglich unschädlich machen wollen und nicht warten, bis er gefährlich nahekommt und keine Zeit für einen „Plan B“ bleibt.


„Asteroiden sind kompliziert. Sie sehen unterschiedlich aus, sie haben große Steine, sie haben felsige Stellen, sie haben glatte Stellen, sie haben merkwürdige Formen. […] Wenn ein Asteroid die Erde bedrohen würde, würde man diese Technik viele Jahre im Voraus anwenden wollen, Jahrzehnte im Voraus. Man würde diesem Asteroiden einen kleinen Schubser geben, der zu einer großen Veränderung hinsichtlich seiner zukünftigen Position führen würde, und dann wären der Asteroid und die Erde nicht mehr auf Kollisionskurs.“ - Die an der Mission beteiligte Astronomin Nancy Chabot

 

Quellen bzw. weiterführende Links:

(1) NASA: „Double Asteroid Redirection Test (DART) Mission“

(2) Spiegel Wissenschaft: „Testsonde nimmt Asteroid ins Visier - So will die Nasa »globale Killer« bekämpfen“

(3) Spiegel Wissenschaft: „Nasa startet Dart-Mission »Asteroid Dimorphos: Wir kriegen dich«“

(4) Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Dart-Mission gestartet: Nasa-Sonde soll in Asteroiden krachen“