• Anastasia Michailova

Klima retten?: Diese Maschine verwandelt Kohlendioxid zu Stein

Um die Klimakrise zu bewältigen, lassen sich Unternehmen immer kreativere Lösungsansätze einfallen. Nun ging die weltweit größte CO2-Filteranlage in Betrieb. Sie steht auf Island und soll jährlich 4.000 Tonnen CO2 aus der Luft ziehen und „versteinern“. Wie geht das?


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Bilder: Justus Menke (Unsplash), Arek Socha (Pixabay)

Es gilt als sehr kostspieliges Verfahren klimaschädliches Treibhausgas wie Kohlendioxid direkt aus der Luft zu filtern. Doch immer mehr Klimaforscher sind überzeugt, dass diese Technik („Direct-Air-Capture-Technology“/DAC) großes Potenzial bietet, um der globalen Erwärmung entgegenzuwirken. Das Schweizer Cleantech-Startup Climeworks hat nun gemeinsam mit dem isländischen Unternehmen Carbfix die größte Anlage zum Filtern und Speichern von CO2 in Betrieb genommen. Sie trägt den Namen „Orca“, was „Energie“ auf isländisch bedeutet. Carbfix gehört zu den Pionieren der Untergrundmineralisierung von Kohlendioxid. Und genau hier liegt der Schlüssel.



Wie wird CO2 zu „Stein“?


„Orca“ besteht aus acht Containern, die mithilfe von riesigen Ventilatoren Luft ansaugen. Überall in der Umgebungsluft befinden sich winzige Mengen Kohlendioxid. Die Maschine filtert diese CO2-Gasmoleküle heraus, löst sie in Wasser und pumpt sie an „geeigneten Stellen“ in die Erde. Manchmal bis zu 1.000 Meter tief!


„Dort wird das CO2 mit dem Basaltgestein mineralisiert. Es wird buchstäblich zu Stein. Das geschieht innerhalb von zwei Jahren. Es handelt sich also um die sicherste und dauerhafteste Methode zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre, die derzeit auf dem Markt erhältlich ist.“ - Jan Wurzbacher, Climeworks


Wie groß ist der Beitrag zur Klima-Rettung?


Die DAC-Anlage soll jährlich 4.000 Tonnen CO2 aus der Luft holen und versteinern. Das entspräche, je nach Rechnung, der jährlichen Emission von rund 870 Autos. Jedes Jahr werden etwa 31,5 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen. Der Beitrag dieser Kohlendioxid-Filteranlage ist also ziemlich überschaubar. Dafür ist die Technik sehr teuer. Dieses Pionier-Modell hat etwa 10-15 Millionen Dollar gekostet und wurde mithilfe von Investoren wie Bill Gates, Microsoft und Audi finanziert.



Welche Risiken gibt es?


Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die DAC-Anlage selbstverständlich auch Strom benötigt, um angetrieben werden zu können – und davon ziemlich viel! In Zahlen: Das Absaugen von 10 Gigatonnen CO2 (rund 30 % der aktuellen globalen Emissionen) würde bis zu 19.000 Terawattstunden benötigen. Das entspräche im Extremfall 12 % des weltweiten Primärenergieverbrauchs.


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Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz, Bild: Callum Shaw (Unsplash)

An dieser Stelle kommen dem Unternehmen die natürlichen Gegebenheiten Islands zugute. „Orca“ wird mithilfe des Geothermie-Kraftwerks ON Power mit Strom versorgt. Diese Energie ist daher klimaneutral.


Leider ist das DAC-Verfahren auch aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht überall anwendbar. Für die Mineralisierung von CO2 wird vorwiegend Basaltgestein in großer Tiefe benötigt. Deutschland und Mitteleuropa erfüllen diese Bedingungen nicht. Außerdem werden für die Mineralisierung von einer Tonne CO2 insgesamt 25 Tonnen Wasser verbraucht. Es ist ungewiss, wie diese Wasserversorgung in Zeiten von zunehmender Süßwasser-Knappheit umzusetzen ist und wie der Boden diese enormen Wassermengen aufnehmen kann.

 

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Die Zukunft der CO2-Filteranlagen


Laut der Internationalen Energieagentur sind derzeit weltweit 15 „Direct-Air-Capture“ Anlagen in Betrieb. Gemeinsam ziehen sie jedes Jahr rund 9.000 Tonnen Kohlendioxid aus der Luft. Viele sehen Potenzial in dieser Technologie, aber nur wenige können sie sich leisten. Climeworks richtet sich mit ihrer Innovation daher an „die ganz großen“ Unternehmen:


„Wir bieten das als Dienstleistung für Privat- und Firmenkunden an. Wir nennen unsere Kunden Pioniere, Pioniere der Kohlendioxid-Entfernung. […] Es besteht großes Interesse. Durch die neuen Kunden können wir, was am wichtigsten ist, unsere Entwicklung anziehen, mehr Leute einstellen, Investitionen beschleunigen. Das wird uns helfen, unsere Maßstäbe zu vergrößern, also in einem ersten Schritt eine Million Tonnen pro Jahr zu erreichen. Und schließlich müssen wir, wie uns die Klimawissenschaft lehrt, gegen Ende des Jahrhunderts auf Milliarden Tonnen CO2-Entfernung pro Jahr kommen.“ - Jan Wurzbacher, Climeworks


„Orca“ ist also vorerst Teil eines einzigartigen Experiments, das uns womöglich in Zukunft häufiger begegnen wird. Der tatsächliche Nutzen und die praktische bzw. großflächige Umsetzung und mögliche Risiken müssen jedoch erst erprobt werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die DAC-Technologie etablieren kann.


Denkst du, dass CO2-Filteranlagen eine gute Möglichkeit sind, um die Klimaziele zu erreichen und dem Klimawandel entgegenzuwirken? Teile diesen Beitrag gerne mit deinen Freunden.

 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Climeworks: Homepage

(2) Carbfix: Homepage

(3) Spiegel Wissenschaft: „Größte Anlage zum Filtern und Speichern - »CO₂ wird buchstäblich zu Stein«“

(4) Der Spiegel: Youtube Video

(5) SOLARIFY: „Weltgrößte DAC-Anlage geht in Island in Betrieb“

(6) SOLARIFY: „Schweizer Unternehmen will jährlich 4.000 Tonnen CO2 versteinern“