• Anastasia Michailova

Medizin-Technik: Mann erhält künstliches Auge aus einem 3D-Drucker

Es könnte die Herstellung von aufwendigen Augenprothesen revolutionieren und vielen Menschen das Leben leichter machen. Ein Mann erhält das erste vollständig digital erstellte künstliche Auge.


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Bild: Amanda Dalbjörn (Unsplash)

3D-Drucker sind vielseitig einsetzbar. Auch die Prothesenherstellung interessiert sich seit Langem für diese Technik und experimentiert an neuen, effizienteren und hochwertigeren Produktionsverfahren. Ein Krankenhaus in London implantiert nun das erste 3D-gedruckte Auge in einen Menschen.



Ein langer Leidensweg


Der britische Ingenieur Steve Verze war nur 20 Jahre alt, als er ein Auge verlor. Seitdem ist er auf Augenprothesen angewiesen. Jetzt, 20 Jahre später, ist er der erste Mensch, der ein künstliches Auge aus dem 3D-Drucker bekommen soll. So teilte es das Londoner „Moorflieds Biomedical Research Centre“ mit, welches auf Augenkrankheiten spezialisiert ist.


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So sehen konventionelle Augenprothesen aus, Bild: Wellcome Images (Creative Commons)

Die Herstellung im 3D-Drucker hat für Augenprothesen zwei entscheidende Vorteile. Erstens: Kunstaugen können nun doppelt so schnell hergestellt werden. Zweitens: Die Augenprothesen sehen deutlich realistischer aus, weil sie lichtdurchlässiger sind. Letzteres ist für viele Betroffene eine sehr gute Nachricht, weil sie stark unter der mangelnden Authentizität ihres künstlichen Auges leiden. Am Ende sieht man immer, dass es eine Prothese ist. Auch Verze erzählte, dass er starke „Komplexe“ aufgrund seines Auges hatte. Doch nun soll alles anders werden. Er durfte seine neue Prothese bereits testen und für ihn war es „fantastisch“.


„Ich brauche eine Prothese, seit ich 20 Jahre alt bin, und ich hatte immer Komplexe deswegen. Wenn ich von zu Hause weggehe, schaue ich oft ein zweites Mal in den Spiegel und mir gefällt nicht, was ich sehe.“ – Ingenieur Paul Verze


Alles könnte viel einfacher sein


Bereits ein Computerscan der Augenhöhle reicht aus, um eine Augenprothese mit optimaler Passform zu generieren. Nachdem alle notwendigen Informationen an den 3D-Drucker übermittelt wurden, dauert der Druckprozess selbst nur zweieinhalb Stunden – dann ist das Auge fertig. Forscher aus Korea stellten bereits vor mehreren Jahren Augenprothesen aus dem 3D-Drucker vor.


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Die Herstellung eines Glasauges im frühen 20. Jahrhundert, Bild: The Library of Congress (Creative Commons)

Bei herkömmlichen Prothesen muss ein aufwendiger Abdruck der Augenhöhle angefertigt werden, der aufgrund der Schwere des Eingriffs bei Kindern meistens nur unter Vollnarkose gelingen kann. Die Herstellung und Bemalung der Prothese kann im Anschluss noch bis zu sechs Wochen dauern.

 

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8 Millionen Menschen brauchen ein künstliches Auge


Für Augenprothesen gibt es lange Wartelisten. Im Rahmen der neuen Herstellungsverfahren aus dem 3D-Drucker laufen parallel auch klinische Studien, die den Mehrwert für Patienten deutlich machen wollen. Laut der Stiftung „Moorfields Eye Charity“ sind weltweit über acht Millionen Menschen auf eine Augenprothese angewiesen. Gründe für den Verlust eines Auges können Missbildungen, Krankheiten oder Gewalteinwirkungen sein. Die konservativen Herstellungstechniken hätten sich der Stiftung zufolge in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Doch vielleicht wird sich die Situation schon bald für viele Menschen wie Paul Verze verbessern.


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Die Herstellung eines Glasauges im frühen 20. Jahrhundert, Bild: State Library of New South Wales (Creative Commons)
 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Spiegel Wissenschaft: „London Mann erhält digitales Kunstauge aus dem 3D-Drucker“

(2) Tagesspiegel: „Kunstauge aus dem 3D-Drucker Krankenhaus in London implantiert erstmals vollständig digital erstelltes Auge“