Methan-Lösung? Mit Blitzen auf Gülle schießen

Plasmatechnologie findet Anwendung in der Landwirtschaft. Ein norwegisches Unternehmen will Gülle mithilfe von künstlichen Blitzen klimafreundlicher machen. Kann das funktionieren?


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Bilder: Ulrike Leone & Albrecht Fietz (Pixabay)

Es ist bekannt, dass Rinder bei ihrer Verdauung schädliche Treibhausgase erzeugen – Methan und Ammoniak. Der Kuhdung kommt als Gülle auf die Felder, setzt erneut Treibhausgase frei und belastet, in zu großen Mengen ausgebracht, das Grundwasser mit Nitrat. Nitrat wird im Körper in das krebserregende Nitrit umgewandelt. Doch das ist ein anderes Thema.



Wie ein Plasmabrenner Methan und Ammoniak „vernichtet“


Das norwegische Technologie-Unternehmen „N2 Applied“ scheint eine Lösung für das Methan-Problem etc. gefunden zu haben. Die Gase werden einfach „eingeschlossen“. Das Vorgehen wurde in einem Testbetrieb in Großbritannien erprobt. Und so geht's:


Automatische Güllesammler kehren die Hinterlassenschaften der Kühe vom Boden des Stalls in eine Grube. Die Gülle wird von da aus in einen 50-Kilowatt-Plasmabrenner umgelagert. Mit Stickstoff aus der Luft entzieht die Maschine dem Kuhmist im Folgeschritt einen Großteil der klimaschädlichen Treibhausgase.


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Jedes Jahr produzieren Rinder, Schweine und Hühner in Deutschland insgesamt rund 200 Mio. Liter Gülle, Bild: Kurt Bouda (Pixabay)
„In dieser Maschine erzeugen wir Plasma, das ist im Grunde ein Blitz. Wir erzeugen ihn in diesem Teil der Maschine und schießen ihn in die Gülle. Hier, in der zweiten Stufe, findet der Absorptionsprozess statt. An diesem Punkt schließen wir Methan und Ammoniak ein.“ - Chris Puttick, N2 Applied


„Effektiver und nachhaltiger“ Dünger als Endprodukt


Ein positiver Nebeneffekt des gesamten Prozesses ist die Anreicherung der Gülle mit Stickstoff, welcher ein wichtiger Bestandteil vieler Düngemittel ist. Nach Angaben des Herstellers ist der Stickstoffgehalt im Endprodukt des Verfahrens doppelt so hoch, während kaum mehr Treibhausgase vorhanden sind. Die braune Flüssigkeit, die zum Schluss aus der Maschine kommt, heißt „NEO“ (Nitrogen Enriched Organic Fertilizer) und ist geruchlos. Sie kann als organischer Dünger weiterverkauft werden, welcher effektiver und nachhaltiger als herkömmliche Gülle wäre. Die Rechnung lautet also: Gülle + Luft + Strom = Klimafreundlicher Dünger.


„Wir reduzieren über 99 Prozent der Methanemissionen aus der Gülle, es ist also praktisch eine Eliminierung. 95 Prozent weniger Ammoniakemissionen. Gleichzeitig verdoppeln wir den Stickstoffgehalt der Gülle, die kann als nachhaltiges Düngemittel genutzt werden.“ - Chris Puttick, N2 Applied

Wie viel Treibhausgas lässt sich einsparen?


Würde man die Auswirkung von Methan und Ammoniak aufs Klima in diesem Beispiel in CO2 umrechnen, könnte mit dieser Technologie rund eine Tonne CO2 pro Kuh eingespart werden, so das Unternehmen. Würden zum Beispiel alle britischen Landwirte ihren Kuhdung mit dem Plasmabrenner behandeln, würden 9,4 Mio. Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Aus der Insel leben nämlich etwa 9,4 Mio. Kühe. Das wiederum würde die gesamte Emission mit Treibhausgasen in Großbritannien um schätzungsweise 20 % reduzieren. Und das wäre wirklich ein enormer Gewinn.


„Diese Technologie reduziert 199 Tonnen Kohlenstoff-Äquivalent pro Jahr mit einer Maschine in einem Betrieb mit 200 Milchkühen. Deshalb wollen wir sie nun auf den gesamten britischen Viehhaltungssektor ausweiten.“ - Chris Puttick, N2 Applied
 

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EU fördert die „Gülle-Blitze“


Von dieser Plasmatechnologie ließen sich bereits mehrere Investoren überzeugen. Darunter der Innovationsrat der EU, der „N2 Applied“ mit 15 Mio. Euro förderte. Das Unternehmen plant im Juni 2022 ein kommerzielles Modell auf den Markt zu bringen, das sich jeder Landwirt anschaffen könne. Laut den Entwicklern, müsste ein Betrieb für den Plasmabrenner so viel investieren, wie für einen „mittelgroßen Traktor“.


Ist das großflächig umsetzbar?


Sicherlich müssten den Landwirten von staatlicher Seite genügend Anreize geschaffen werden, damit sie tatsächlich in diese Form von Klimaschutz investieren. Ansonsten sind die Hürden in Aufwand und Finanzen für die meisten Landwirte wahrscheinlich zu hoch. Das Interesse dürfte jedoch vorhanden sein.


Ein Knackpunkt ist der Stromverbrauch des Plasmabrenners. Hier sind die Entwickler am Zuge diesen möglichst gering zu halten, damit die Ersparnis an Emissionen nicht durch einen zu hohen Stromverbrauch geschluckt wird. Das Unternehmen empfiehlt daher die Installation von Solar-Paneelen für den Antrieb der Maschine. Ob die Kosten dann jedoch wirklich bei einem „mittelgroßen Traktor“ bleiben?



Gleichzeitig müssen gewisse räumliche Bedingungen zwecks Geräteinstallation und Wärmeabfuhr erfüllt sein. Wie viele Landwirte hätten den optimalen Platz für einen Plasmabrenner ohne dabei große Umbaumaßnahmen veranstalten zu müssen? Bei dieser Technologie spielen viele Faktoren eine Rolle.


Denkst du, dass Plasmatechnologie in der Landwirtschaft effektiv zum Klimaschutz beitragen wird? Was könnte im Allgemeinen besser laufen? Teile diesen Beitrag gerne mit deinen Freunden.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) N2 Applied: Startseite

(2) Spiegel Wissenschaft: „Lösung für das Methan-Problem? Männer, die mit Blitzen auf Kuhmist schießen“

(3) Bund: Nitrat im Trinkwasser: „Gülle und synthetischer Dünger aus der Landwirtschaft belasten unser Wasser“ (Studie) (4) NABU: „Düngung aus den Fugen - Die Intensivtierhaltung belastet Böden und Grundwasser“