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NFT: Arzt wollte Röntgenbild eines Opfers des Bataclan-Terroranschlags verkaufen

Es sollte als „digitale Kunst“ (NFT) verkauft werden. Ein französischer Chirurg bot das Röntgenbild einer Patientin, die den Terroranschlag in der Pariser Konzerthalle Bataclan am 13. November 2015 überlebt hatte, für rund 2.450 Euro zum Kauf an. Die Frau wusste nichts davon.


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Bild: Umanoide (Unsplash)

Kann das noch Kunst sein?


Auf der Röntgenaufnahme war der durchschossene Unterarm der Frau zu sehen, in dem noch eine Kalaschnikow-Kugel steckte. Auf OpenSea, einem Online-Marktplatz für NFTs, wollte der französische Chirurg das Bild für 2.700 Dollar (etwa 2.450 Euro) versteigern. In dem Angebot stand außerdem folgender Text: „Diese junge Patientin, die bei dem Angriff ihren Freund verlor, hatte eine offene Fraktur des linken Unterarms mit einer verbliebenen Kalaschnikow-Kugel im Weichgewebe“.



Allerdings wurde das Opfer, von dem das Röntgenbild stammt, nicht um Erlaubnis gebeten. Französischen Medien zufolge bestätigte der Arzt die Aktion aus „pädagogischen Beweggründen“ gestartet zu haben. Er zog das Angebot jedoch wieder zurück.


Hintergrund: Am 13. November 2015 haben mehrere Islamisten den Konzertsaal Bataclan inmitten von Cafés, Restaurants und nahe einem Fußballstadion in Paris angegriffen und dabei insgesamt 130 Menschen getötet. Allein im Bataclan verloren 90 Menschen ihr Leben.


Schwere Konsequenzen


Opferverbände kritisieren den Chirurgen scharf. Zudem wandte sich Martin Hirsch, der Chef des Pariser Krankenhauses, mit einer Mitteilung an die Belegschaft und sprach dabei von einer „skandalösen Tat“. Für den Arzt, der die Röntgenaufnahme verkaufen wollte, soll das auch juristische Konsequenzen haben. Es heißt, die Justiz sei eingeschaltet worden.

 

Buchtipp zum Artikel: SPIEGEL-Besteller „Reich mit NFTs: Investieren in Non-Fungible Tokens: Alles, was du wissen musst“


 

Der NFT-Hype


In den vergangenen Monaten ist eine wahre Hysterie um NFTs (Non-Fungible Tokens) ausgebrochen. Hierbei handelt es sich um ein System, das (wie Kryptowährungen) auf der Blockchain-Technologie basiert. Manche Menschen sind mit dem Handel von NFTs in Form von digitaler Kunst ziemlich reich geworden. Der Unterschied zu Kryptowährungen besteht darin, dass ein NFT (also z. B. ein Bild, ein Video oder eine Audiospur) einzigartig ist und aufgrund eines Zertifikats verkauft oder getauscht werden kann.


Die Terrornacht im Bataclan: In dem folgenden Video ist zu hören, wie die Schüsse in der Konzerthalle fallen, während die Band noch spielt.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Spiegel Panorama: „Arzt in Frankreich wollte Röntgenbild von Anschlagsopfer als Kunstwerk verkaufen“

(2) Mediapart: „Un chirurgien de l’AP-HP cherche à vendre aux enchères la radio d’une blessée du 13-Novembre“

(3) Business Insider: „Sein NFT stieg von 11.000 auf 95.000 Euro: Dieser 36-Jährige verrät, worauf ihr beim Investieren in digitale Kunst achten müsst“