Diamantplaneten: Mehr als nur eine Theorie?

Was nach einer idealen Vorlage für Science-Fiction klingt, ist bereits in der Wirklichkeit angekommen. Die Idee von Diamantplaneten war zunächst rein hypothetisch. Dieser Artikel fasst zusammen, was die Wissenschaft aktuell zu kosmischen Giganten aus Diamant sagen kann.


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Bild: Rostislav Uzunov (Pixabay)

Diamantplaneten, auch Kohlenstoffplaneten oder Karbidplaneten genannt, sind eine Form von terrestrischen Exoplaneten, die reich an Kohlenstoff und gleichzeitig sauerstoffarm sind. Im Vergleich dazu sind Planeten wie die Erde oder die Venus reich an Silizium. Man geht davon aus, dass Diamantplaneten ebenfalls einen Eisenkern besitzen, ihre Oberfläche jedoch aus Graphit bestehen würde. Wenn genug Druck herrscht, könnten große Mengen an Diamanten entstehen, da Kohlenstoff als Grundvoraussetzung für das wertvolle Mineral reichlich vorhanden ist. Es ist also denkbar, dass Vulkane bei einem Ausbruch einfach Diamanten auswerfen und regelrecht Berge aus Diamanten auf der Oberfläche entstehen, während tief im Inneren des Planeten weiterhin riesige Massen dieser Kristalle verborgen liegen, da dort enorme Kräfte wirken, die den Kohlenstoff zu Diamant pressen.



Wenn es Wasser auf diesen Planeten gäbe, so wäre auch dort eventuell komplexeres Leben mit einem Stoffwechsel möglich. Aber diese Lebewesen würden in komplett gegensätzlichen Umweltbedingungen existieren. Sie müssten Sauerstoff als „Nahrung“ aufnehmen und in einer kohlenstoffhaltigen Atmosphäre atmen. Aber die Idee von Leben auf einem Planeten aus Diamant klingt noch skurriler als die Idee eines Diamantplaneten selbst.


Soweit also die Theorie. Es ist bis heute schwierig festzustellen, ob es tatsächlich Planeten gibt, die zu einem großen Teil aus Diamant bestehen. Rein hypothetisch klingt die Idee jedoch plausibel. Forscher haben im Laufe der Zeit einige Objekte im Weltraum entdeckt, die eventuell Diamantplaneten sein könnten. Schauen wir uns ein paar dieser Objekte genauer an:


Planet 55 Cancri e – Ein Monster aus Diamant?


Es heißt, dieser Fund würde die Sicht auf fremde Planeten stark verändern. Forscher der Yale University entdeckten ihn bereits im Jahr 2004, aber wirklich publik wurde diese Geschichte erst im Jahr 2012. Der Planet ist etwa doppelt so groß und achtmal so schwer wie unsere Erde. Er ist nur etwa 40 Lichtjahre von uns entfernt - Sternbild Krebs - und bei Nacht sogar mit dem bloßen Auge sichtbar. Da er sehr nah an seiner Sonne vorbeizieht, herrschen auf dem Planeten Oberflächentemperaturen von über 2.100 Grad Celsius. Wissenschaftler vermuten, dass 55 Cancri e zu einem Drittel aus Diamant besteht, da er sehr reich an Kohlenstoff ist.


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Größenvergleich von 55 Cancri e mit der Erde, Grafische Darstellung: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC) - Creative Commons
„Die Oberfläche dieses Planeten ist wahrscheinlich mit Graphit und Diamant bedeckt statt mit Granit und Wasser wie die Erde.“ - Nikku Madhusudhan, Astrophysiker

55 Cancri e wäre laut Astronomen der erste bekannte Diamantplanet, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist. Im Jahr 2011 wurde ein weiterer möglicher Diamantplanet entdeckt, der jedoch einen Pulsar als „Sonne“ hat.


PSR J1719-1438b – Planet in ungewöhnlicher Umgebung


Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne bzw. extrem verdichtete Sternüberreste. Im Grunde sind es Sterne in ihrem letzten Lebensabschnitt. Um so einen Pulsar (PSR J1719-1438b) kreist ein Planet (PSR J1719-1438b), der vielleicht überwiegend aus Diamant besteht. Mit 23 Gramm pro Kubikzentimeter besitzt dieser potenzielle Diamantplanet die höchste Dichte aller bisher bekannten Exoplaneten.

 

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Wo könnten noch weitere Diamantplaneten zu finden sein?


Forscher vermuten, dass in der Nähe des galaktischen Zentrums häufiger Diamantplaneten vorkommen könnten. Der Kohlenstoffanteil der Sterne ist in diesem Bereich des Universums höher, weshalb auch mehr Kohlenstoff auf den dort befindlichen Planeten vermutet wird.


Ob es sie wirklich gibt oder nicht, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber viele Wissenschaftler halten daran fest, dass irgendwo da draußen Planeten existieren, die zu einem Großteil aus Diamant bestehen.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) YaleNews: „Nearby super-Earth likely a diamond planet“

(2) Science: „Transformation of a Star into a Planet in a Millisecond Pulsar Binary“

(3) Die Zeit: „US-Forscher entdecken Diamant-Planeten“

(4) Welt der Physik: „Ein Planet aus Diamant“