• Anastasia Michailova

Sex in der Steinzeit: Wie war das Liebesleben der Menschen vor vielen tausend Jahren?

Wie lief Sex in der Steinzeit ab? Hatten die Menschen damals einen Sinn für Romantik? Was fanden Männer an Frauen attraktiv? Wer gab den Ton an und hat man sich eigentlich schon damals geküsst? Hatten Steinzeit-Menschen mehrere Partner? Und was weiß man über das Liebesleben der Neandertaler? Wir schauen uns aktuelle Forschungen an und klären die spannendsten Fragen rund um das Thema: Sex in der Steinzeit.


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Bilder: Bjørn Christian Tørrissen (Creative Commons) & Clay Banks (Unsplash)

Kapitel in diesem Beitrag

  1. Steinzeit: Ein anderes Verständnis von Schönheit und Erotik

  2. War Sex in der Steinzeit zärtlich und romantisch?

  3. Steinzeit-Menschen: Nur Sex im Kopf?

  4. Beziehungen in der Steinzeit: Monogamie oder Polygamie?

  5. Geschichte des Kusses: Haben sich Steinzeit-Menschen geküsst?

  6. Sexuelle Gewalt in der Steinzeit: Eine Frage der Rollenbilder

  7. Hatten moderne Menschen Sex mit Neandertalern?

  8. Steinzeit: Sex mit Verwandten war völlig normal

  9. Schlusswort: Was wir lernen können



Disclaimer: Steinzeit ist nicht gleich Steinzeit. Innerhalb der steinzeitlichen Gesellschaften gab es große Unterschiede in Entwicklung und Kultur: Der Homo Sapiens wanderte viel und baute bereits vor Beginn des Ackerbaus Hütten aus Tierfellen oder Zweigen. Neanderthaler bewohnten Höhlen, bauten aber auch bereits erste Hütten, blieben dennoch vorwiegend an einem Ort. Die Steinzeit endete in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten, weil sich neue Technologien, wie der Ackerbau oder die Bronzeverarbeitung, nicht überall gleichmäßig entwickeltn - z. B. aufgrund der ungleichen Verfügbarkeit verschiedener Rohstoffe. Im Nahen Osten war Bronze bereits im dritten Jahrtausend vor Christus bekannt. Im nördlichen Europa sollte es noch 1.000 Jahre länger dauern. Der Ackerbau begann im sogenannten „fruchtbaren Halbmond“ bereits um 11.000 v. Chr. In Nordeuropa wurde die Landwirtschaft erst im dritten Jahrtausend vor Christus zum Standard. Es gibt also kein einheitliches Bild dieser Kulturen oder Epochen. Wir können immer nur kleine Momente und Bruchstücke ihres Lebens rekonstruieren.


Steinzeit: Ein anderes Verständnis von Schönheit und Erotik


Es ist wenig überraschend, dass Steinzeit-Männer andere Aspekte an Frauen attraktiv fanden als heutige Männer. Das beste Beispiel hierfür ist die „Venus von Willendorf“ – eine rund 11 Zentimeter große Kalkstein-Figur, die erstaunliche 30.000 Jahre alt ist und in Österreich entdeckt wurde. Diese Figur spiegelt das weibliche Idealbild der Menschen in der Altsteinzeit wider. Eine Frau mit großen Brüsten, breiten Hüften und, wie man heute sagen würde, „ein paar Pfund zu viel“. Die natürlichen Formen und Kurven des weiblichen Körpers stehen hier definitiv im Vordergrund.


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Die Venus von Willendorf. Bild: Bjørn Christian Tørrissen (Creative Commons)

Es wurden auch andere, ähnliche Frauen-Idole (sogenannte „Venusfigurinen“ – mehr Bilder im Laufe des Artikels) aus Speckstein, Ton oder Elfenbein gefunden – von Westeuropa bis Sibirien. Und alle Objekte haben verblüffende Gemeinsamkeiten. Sie lassen den Schluss zu, dass damals kulturübergreifend vor allem große Brüste, ein breites Becken und sogar große Schamlippen als Inbegriff weiblicher Schönheit angesehen wurden. Diese Schönheitsideale lassen sich noch heute zum Beispiel in afrikanischen Kulturen finden.


War Sex in der Steinzeit zärtlich und romantisch?


Zärtlichkeit und Romantik kommen vor allem dann ins Spiel, wenn Menschen verliebt sind. Und Liebe ist wohl so alt wie die Menschheit selbst – auch wenn sie unterschiedlich zum Ausdruck gebracht wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Menschen in der Steinzeit auch auf sexueller Ebene ihre Zuneigung gezeigt haben, einander gefallen und dem anderen Lust schenken wollten.



Bärbel Auffermann, die stellvertretende Direktorin des Neanderthal-Museums vermutet auch, dass die Neandertaler untereinander zärtlich waren, einen Sinn für Romantik hatten und sich verlieben konnten. Sie haben ihre Höhle wahrscheinlich nicht mit Rosenblättern ausgelegt, aber sich vermutlich Geschenke gemacht und gewusst, was dem Anderen gefällt.


Steinzeit-Menschen: Nur Sex im Kopf?


Viele vermuten an dieser Stelle vielleicht, dass es in der Steinzeit auch im Liebesleben wild zuging. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ständig ein Pärchen im Gebüsch oder unter einem Tierfell verschwand. Im Alltag der Menschen ging es vordergründig ums nackte Überleben. Alles drehte sich um die Beschaffung von Nahrung und dem Schutz vor Gefahren wie Raubtieren oder Naturgewalten. In so einem Umfeld ist es schwer nur „das Eine“ im Kopf zu haben.


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Das Gemälde „Steinzeit“ von Viktor M. Vasnetsov. Bild: Staatliches Historisches Museum Moskau (Creative Commons)

Aufgrund dieser dauerhaft angespannten Situation wird vermutet, dass Steinzeit-Menschen keinen langen ausschweifenden Sex hatten, sondern eher bei „Quickies“ verbleiben mussten. Wenn man wirklich ungestört sein wollte, musste man sich von der Gruppe entfernen. In der Wildnis konnte jedoch jederzeit ein Raubtier angreifen. „Kopf-abschalten“ und genießen funktionierte also nicht. In gewisser Weise war Sex in der rauen Natur vor vielen tausend Jahren vielleicht sogar gefährlich, weil man sich gegenseitig ablenkte. Es sei denn, man blieb mit den anderen in der Höhle bzw. in der steinzeitlichen Hütte (Stichwort: Keine Privatsphäre!). Aber wollte man das? Vielleicht war der öffentliche Geschlechtsverkehr vor aller Augen in primitiven Gesellschaften „aus Sicherheitsgründen“ tatsächlich normal. Anders gesagt, es gab ein anderes Verständnis von Privatsphäre.


Beziehungen in der Steinzeit: Monogamie oder Polygamie?


Bis heute gibt es Völker, die in polygamen Beziehungen leben - also mehrere Partner haben. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass auch Menschen in der Steinzeit diesem Konzept folgten. Der Vorteil für Männer: Sie können viel mehr Nachkommen zeugen. Der Vorteil für Frauen: Sie haben die besten Chancen auf starke, gesunde Nachkommen, weil sie sich mit dem „besten“ Mann in der Gruppe fortpflanzen können und in jedem Fall nicht ohne Partner bleiben müssen.



Genetische Daten deuten außerdem darauf hin, dass sich wandernde Menschen-Gruppen untereinander fortpflanzten. Mit anderen Worten: Wenn man sich schonmal über den Weg lief, dann „so richtig“. Biologisch ist das gar nicht verkehrt. Dadurch bleibt der Genpool innerhalb der einzelnen Sippen vielfältig und es kommt seltener zu Inzest. (Dazu später mehr!)


Forscher aus Deutschland und Tschechien haben bei der Untersuchung von 5.000 Jahre alten Knochenfunden aus Böhmen etwas Interessantes entdeckt. Laut Gen-Analysen von fast 300 verschiedenen Skeletten gehen diese lediglich auf fünf Abstammungslinien zurück. Das heißt, beim Sex gab es strenge „Paarungsregeln“. Es durfte nicht jeder mit jedem. Es scheint eine männliche Elite gegeben zu haben, die dafür sorgte, dass insgesamt nur wenige Männer Nachkommen zeugen durften. Ob Frauen an dieser Entscheidung beteiligt gewesen waren, ist unklar.


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Die Venus vom Hohlefels (Deutschland), 40.000 v. Chr. Bild: Ramessos (Creative Commons)

Mit der Sesshaftigkeit legten sich die Menschen zunehmend auf einen „Partner fürs Leben“ fest. Es heißt, die Ehe entstand vor etwa 5.000 Jahren, als die Menschen bereits als Bauern lebten und wertvollen Landbesitz hatten. Dieser musste in der Familie bleiben, also an die Blutsverwandten weitergegeben werden. Allein aus diesem Grund ist es sinnvoll, wenn ein Mann nur mit einer Frau Nachkommen zeugt. Außerdem wurden die Menschen-Gruppen in dieser Zeit größer. Die Siedlungen wuchsen und im vierten Jahrtausend vor Christus kamen in Mesopotamien die ersten Städte auf. Je mehr Menschen an einem Ort leben, desto größer ist die Gefahr, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Monogamie diente also auch dem Schutz vor Syphilis, Chlamydien und Tripper.


Geschichte des Kusses: Haben sich Steinzeit-Menschen geküsst?


Um die Evolution des Küssens ranken sich viele Mythen. Aus der Beobachtung vieler unterschiedlicher Kulturen auf der Welt wird deutlich: Rund 90 Prozent aller Menschen küssen sich. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass auch steinzeitliche Völker sich geküsst haben.



Es gibt aber auch heute noch Ausnahmen. Es heißt, in China sei das Küssen auf den Mund etwas Abscheuliches und sogar ein Ausdruck von Kannibalismus. In einigen finnischen Volksstämmen baden die Liebespaare zwar gerne miteinander, küssen sich aber nicht. Und in der Mongolei riechen die Väter an den Köpfen ihrer Söhne, um ihnen ihre Zuneigung zu zeigen – sie geben ihnen aber keinen Kuss. Trotzdem: Die allermeisten Menschen küssen.


Es scheint sich beim Küssen um einen tiefsitzenden, angeborenen Instinkt zu handeln. Heute gibt es zwei Theorien, woher dieser stammen könnte:


1. Theorie: Sigmund Freud formulierte, dass der Wunsch des Küssens an das Bedürfnis des Neugeborenen angelehnt ist, von seiner Mutter gestillt zu werden.


2. Theorie: Das Küssen könnte von dem uralten Verhalten herrühren, sich gegenseitig von Mund zu Mund zu füttern. In einigen afrikanischen Kulturen ist das bis heute üblich. Auch unter Primaten ist die Fütterung von Mund zu Mund eine gängige Praxis.

 

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Letztendlich hat sich das Küssen gegenüber dem Nicht-Küssen durchgesetzt. Forscher vermuten, das liege zum Beispiel an den positiven Effekten auf das Immunsystem. Der Körper kommt mit anderen Bakterien in Kontakt und immunisiert sich. Küssen ist also gesund. Gleichzeitig wird beim Küssen das „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet. Dieses stärkt zwischenmenschliche Bindungen und sorgt für Glücksgefühle. Außerdem sinkt das Stresshormon Cortisol. Wer küsst, ist also entspannter.


Und die Evolution des Küssens geht weiter – bzw. die Globalisierung des Küssens. Noch vor 20 Jahren war es in England undenkbar, sich in der Öffentlichkeit auf die Wange zu küssen, so die Journalistin Adrianne Blue, die 1992 ein Buch über das Küssen geschrieben hat. Sie vermutet, dass sich die küssenden 90 Prozent gegenüber den letzten Nicht-Küssern durchsetzen werden. Der Kuss wandert also um die Welt – und wahrscheinlich wird er uns alle erobern.


Sexuelle Gewalt in der Steinzeit: Eine Frage der Rollenbilder


Bis heute ist sexueller Kontakt nicht immer einvernehmlich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Frauen und auch Kinder in der Steinzeit sexuellen Missbrauch erlebten. Aber hatten damals wirklich die Männer das Sagen? Über das soziale Gefüge in steinzeitlichen Sippen wird bis heute gestritten.


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Welche Stellung hatten Frauen in steinzeitlichen Gesellschaften? Bild: ID 4265566 (Pixabay)

Jäger und Sammler lebten in kleinen, eng zusammengehörenden Gruppen. Die Menschen kannten einander gut, gaben gegenseitig auf sich Acht und wussten, dass sie nur gemeinsam überleben können. Ein „Sexual-Triebtäter“ in so einer Gruppe wäre wohl schnell ein Störenfried geworden, der den so überlebenswichtigen Zusammenhalt der ganzen Sippe gefährdet. Vielleicht hätte man ihn verstoßen. In so kleinen Menschen-Gruppen blieben wohl weder romantische Gefühle noch Gewalt unbemerkt. Die Frage ist nur, wie die anderen Gruppenmitglieder auf so etwas reagierten.


Forscher vermuten, dass die Sippen in der Jungsteinzeit zwischen 8.000 und 3.000 vor Christus eher matriarchal lebten, also von Frauen geführt wurden. Der Grund: Die Frauen bestimmten über den neu aufkommenden Ackerbau, während die Männer auf Jagd gingen und die Frauen also nicht beschützen konnten. Frauen und Kinder mussten sich also selbst zu helfen wissen und den bäuerlichen Alltag strukturieren. Die Bindung zwischen Mutter und Kind war damals also viel entscheidender als die zwischen Mann und Frau. Wie der Alltag vonstattenging, wenn die Männer daheim waren, lässt sich schwer sagen. Möglicherweise wurden viele Sippen auch schon vor Beginn des Ackerbaus von Frauen geführt. In heutigen Naturvölkern gibt es die unterschiedlichsten Machtkonstellationen. Es kamen wohl auch in der Steinzeit verschiedene Hierarchien vor.



Hatten moderne Menschen Sex mit Neandertalern?


Es ist kein Geheimnis, dass sich Homo Sapiens und Homo Neanderthalensis miteinander fortpflanzten. Die Spuren dieser uralten Vereinigung lassen sich bis heute in unserem Erbgut nachweisen. Jeder Europäer und Asiate trägt rund zwei Prozent Neandertaler-Gene in sich. Addiert man alle bekannten Gene des Neandertalers zusammen, die in uns modernen Menschen zu finden sind, lassen sich rund 30 Prozent seines Erbguts rekonstruieren.


Als Homo Sapiens den afrikanischen Kontinent vor etwa 400.000 Jahren verließ, bestanden die einzelnen Gruppen aus nur wenigen Individuen, die sich untereinander fortpflanzten. Das Genmaterial des Neandertalers kam also sehr gelegten, um das „verarmte“ Erbgut des Homo Sapiens aufzufrischen. Es heißt, dass die Vermischung beider Menschen-Arten vor rund 60.000 Jahren stattgefunden hätte. Vor 40.000 Jahren starben die letzten Neandertaler schließlich aus – bzw. leben zum Teil bis heute in uns weiter.


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Lebend-Rekonstruktion eines Neandertalers. Bild: Neanderthal-Museum, Mettmann (Creative Commons)

Japanische und deutsche Studien zeigten, dass die Gene des Neandertalers unsere Haut, Haare, Statur, unseren Stoffwechsel und unser Immunsystem prägen – und das alles mit dem Ziel, uns besser an unsere Umgebung anzupassen. Heute weiß man, dass bestimmte Gen-Varianten der Neandertaler das Risiko für verschiedene Krankheiten wie Prostata-Krebs senken und Frauen fruchtbarer machen. Diese uralten Gene beeinflussen unsere Knochendichte, unseren Tag- und Nachtrhythmus und die Anpassung unseres Blutes an große Höhen. Auf der anderen Seite erhöhen bestimmte Neandertaler-Gene auch das Krankheitsrisiko, darunter für Dermatitis (Hautentzündung) oder rheumatoide Arthritis (chronische Gelenkentzündung). Der Einfluss des Neandertaler-Erbgutes ist in vieler Hinsicht noch unerforscht. Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wer unser „Cousin“ aus der Steinzeit eigentlich wirklich war.


Doch auch sexuelle Verbindungen mit anderen Menschen-Arten sind bekannt. Ein 50.000 Jahre altes Knochenstück eines Steinzeit-Mädchens aus der Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge offenbart, dass ihre Mutter eine Neandertalerin war, während ihr Vater ein Denisova-Mensch gewesen ist. In Eurasien lebten bis vor 40.000 Jahren Neandertaler (vor allem im Westen) und Denisova-Menschen (vor allem im Osten) zum Teil Seite an Seite. Später breitete sich auch Homo Sapiens über Europa immer mehr in Richtung Osten aus.



Steinzeit: Sex mit Verwandten war völlig normal


Ein internationales Forscherteam der Universität Freiburg fand rund 9.000 Jahre alte Überreste von modernen Menschen im Süden Jordaniens. Die Besonderheit: Bei der Untersuchung der Kieferknochen wurde festgestellt, dass die oberen seitlichen Schneidezähne bei mehr als jedem dritten Gebiss fehlten. Dieses seltene angeborene Merkmal kommt jedoch nur bei ein bis zwei Prozent der gesamten Weltbevölkerung vor. Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass die steinzeitlichen Dorfbewohner alle miteinander verwandt gewesen sein müssen. Sie gehen so weit zu sagen, dass die Menschen dieser Sippe fast ausschließlich Sex untereinander - also letztlich mit Familienmitgliedern hatten (Endogamie). Gleichzeitig belegen Funde von Meereskorallen aus weiter Ferne, dass es durchaus Kontakt zu anderen Völkern gab. Trotzdem pflanzten sich die Menschen vorzugsweise im engsten Kreis fort.


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Die Venus von Dolní Věstonice, Tschechien - 29.000 v. Chr. Bild: Petr Novák, Wikipedia

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass auch andere steinzeitliche Sippen sexuelle Verbindungen innerhalb der Gruppe zuließen und sogar förderten. Auf diese Weise bleibt der Zugang zu kostbaren Ressourcen „in der eigenen Familie“. Gleichzeitig wird der Zusammenhalt der Gruppe gestärkt. Mit anderen Worten: Wenn alle miteinander schlafen, streiten sie auch weniger. So zumindest die Theorie. Bis heute lösen Bonobos (Zwergschimpansen) auf diese Weise Konflikte in ihrer Gruppe: durch Sex.


Schlusswort: Was wir lernen können


Verschiedene steinzeitliche Kulturen hatten wahrscheinlich ihre ganz eigenen Rollenbilder und Vorstellungen von Zuneigung. Aber eins steht wohl fest: Steinzeit-Sex war kein besserer Sex. Auch wenn erotische Vorstellungen von Wildnis und archaischen Rollenbildern immer wieder für romantisierte Fantasien sorgen. Liebe, Zärtlichkeit und auch ein Sinn für Romantik machen uns menschlich. Der Umstand, dass wir nicht mehr ums Überleben kämpfen müssen, gibt uns die Chance, unsere sinnlichen Seiten zu genießen und uns gegenseitig Gutes zu tun. Im Grunde bleibt zu sagen, dass alles erlaubt ist, worauf die Beteiligten Lust haben (bitte ohne Inzest). Aber eine Sache könnte man sich vielleicht doch von unseren Vorfahren abschauen: Wie wäre es zum Beispiel damit, unsere körperlichen Schönheitsideale zu überdenken?


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Science: „Dynamic changes in genomic and social structures in third millennium BCE central Europe“

(2) Nature: „The genome of the offspring of a Neanderthal mother and a Denisovan father“

(3) PLOS ONE: „Earliest Evidence for Social Endogamy in the 9,000-Year-Old-Population of Basta, Jordan“

(4) Pubmed: „Disease dynamics and costly punishment can foster socially imposed monogamy“

(5) Max-Planck-Gesellschaft: „Frauen mit Neandertaler-Gen bringen mehr Kinder zur Welt“

(6) Spiegel Wissenschaft: „Knochen belegt ungewöhnlichen Steinzeitsex“

(7) Tagesspiegel: „In der Sippe lebten die Frauen freier“

(8) Westdeutsche Zeitung: „Liebesspiele in der Steinzeit“

(9) Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Das genetische Erbe des Steinzeit-Sex“

(10) Welt: „Sex mit Verwandten war ganz normal“

(11) Welt: „Warum die Evolution den Kuss erfunden hat“

(12) RiffReporter: „Die Urzeit-Gene in uns“