• Anastasia Michailova

UN schlagen Alarm: Immer mehr „Todeszonen“ in den Weltmeeren

Dort ist kaum Leben möglich: Todeszonen im Wasser. Mittlerweile gibt es rund 700 von ihnen. Den Meeren geht die Luft aus.


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Bilder: NASA (Creative Commons), Cristian Palmer (Unsplash), OpenClipart-Vectors (Pixabay)

Ein Bericht der Vereinten Nationen (UN) sorgt für Aufsehen. In diesem heißt es, die Zahl der Todeszonen in den Weltmeeren sei stark gestiegen. In dem Zeitraum von 2008 bis 2019 von mehr als 400 auf rund 700. Im Rahmen des zweiten „World Ocean Assessment“ in New York, bei dem der Zustand der Meere diskutiert wird, schlägt UN-Generalsekretär António Guterres nun Alarm.



Todeszonen – Unterwasserwüsten


Es gibt sie im Golf von Mexiko, im Südchinesischen Meer, aber auch in Nord- und Ostsee. Riesige Gebiete im Wasser, in denen kaum Leben möglich ist. Warum? Die Antwort heißt Sauerstoffmangel.


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Diese Aufnahme einer Unterwasserkamera vom Meeresboden der Ostsee zeigt an Sauerstoffmangel sterbende Fische, Krabben und Muscheln, Bild: Uwe Kils (Creative Commons)

Ursache hierfür sind starke Algenblüten. Sterben die Algen ab, sinken sie langsam in die Tiefe. Dort werden sie von Bakterien abgebaut, die dabei Sauerstoff verbrauchen. Je mehr Algen „verwertet“ werden müssen, desto weniger Sauerstoff wird es in der umliegenden Unterwasserwelt geben. Das Phänomen der Todeszonen tritt manchmal auf ganz natürliche Weise auf.


Ursache ist meistens der Mensch

Doch auch hier hat der Mensch seinen Beitrag geleistet: Stickstoff und Phosphor gelangen durch intensive Landwirtschaft in verschiedenste Gewässer und begünstigen Algenblüten. Stickstoff und Phosphor, letzteres in Form von Phosphat, sind beliebte Bestandteile von Düngemitteln. Selbst Stoffe, die tief im Inland und weit entfernt von der Küste in Flüsse geleitet werden, gelangen früher oder später ins Meer.


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Durch Flüsse wie den Amazonas gelangen große Mengen an Nährstoffen in die Meere und erzeugen Algenblüten in Küstennähe, Bild: NASA (Creative Commons)

Im April dieses Jahres kam es in Chile zu einem Massensterben von Zuchtlachsen. Eine Algenblüte tötete über 4200 Tonnen Fisch. Greenpeace machte die Umweltverschmutzung durch die Lachsfarmen selbst dafür verantwortlich. Futterreste und Lachs-Exkremente landen massenweise auf dem Meeresgrund und bieten wunderbaren Nährboden für Algen und Bakterien. Etwa 26 Prozent des weltweit in Umlauf gebrachten Lachses stammen aus chilenischen Aquakulturen.



„Es wird geschätzt, dass sich der menschengemachte Stickstoffeintrag an den Küsten in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts verdoppeln wird.“ - UN, World Ocean Assessment

Phosphor gelangt außerdem noch in Form von Munitionsresten aus den Weltkriegen in die Meere. Kleiner Exkurs: Es wird vermutet, dass noch 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee zu finden sind. Deshalb konnte zum Beispiel im Ostseewasser sogar TNT nachgewiesen werden. Eine Bergung? Möglich, aber sehr teuer. Der Umweltschaden? Gewaltig. Doch das ist ein anderes Thema.


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Eine Algenblüte vor der Küste Großbritanniens im Jahr 1999, Bild: NASA (Creative Commons)

Todeszonen können „wandern“


Diese sauerstoffarmen Unterwassergebiete sind keinesfalls starr und unbeweglich. Sie können sogar „wandern“. Die folgende Aufnahme stammt von der NASA und zeigt eine „mobile Todeszone“ im Atlantik. Die tödlichen Wassermassen drehen sich in sogenannten „mesoskaligen Wirbeln“ und legen, angetrieben durch die Erdrotation, pro Tag etwa 5 Kilometer zurück. Auf diese Weise durchstreifte diese Todeszone eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern.


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Todeszone im Atlantik, 26. Dezember 2011, Bild: NASA Earth Observatory (Creative Commons)

Eine gute Nachricht


Die Vereinten Nationen betonten jedoch auch, dass es einige positive Entwicklungen gäbe. Einerseits nahm die Zahl der Schiffsunglücke auf den Weltmeeren in den vergangenen Jahren stark ab. Im Zeitraum von 2008 bis 2014 sind 120 Schiffe „verloren gegangen“. In den darauffolgenden fünf Jahren nur noch 88 Schiffe.


Außerdem gibt es Fortschritte bei der Entwicklung von schadstoffärmeren Schiffstreibstoffen. Es wird zunehmend eine Senkung der Luftverschmutzung durch Schiffsabgase beobachtet.


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Ein toter Fisch am Strand, Bild: Mammiya (Pixabay)

Todeszonen - ein Problem, das wir nur gemeinsam lösen können


Es gibt aber noch viel zu tun. Weitere Ansatzpunkte wären strengere Düngemittelverordnungen und Schadstoffkontrollen, sowie die aktive Förderung von ökologischer Landwirtschaft und anderen nachhaltigeren Alternativen. Außerdem müssen Munitionsaltlasten gehoben werden.

 

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Doch all diese Aufgaben brauchen Zeit, Wissen, finanzielle und technische Mittel, aber insbesondere die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Die Rettung der Meere ist keine Aufgabe, die einige wenige allein bewältigen können. Viele Probleme sind zu komplex und hängen noch mit ganz anderen Faktoren zusammen. Todeszonen sind lediglich ein Symptom mit zahlreichen Einflüssen. Auch Guterres mahnt zur Zusammenarbeit.


„Der Bericht macht deutlich, dass der nachhaltige Schutz der Weltmeere davon abhängt, dass wir alle zusammenarbeiten, dazu gehört gemeinsame Forschung und das Teilen von Daten, Informationen und Technologien.“ - António Guterres

 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) FAZ: „UN-Studie - Deutliche Zunahme von Todeszonen in den Weltmeeren“

(2) Forschung & Lehre: „Umwelt - Der Mensch schafft Todeszonen im Meer“

(3) ESKP - Earth System Knowledge Patform: „Mobile Todeszonen im tropischen Atlantik unterwegs“

(4) n-tv: „Umweltverschmutzung durch Farmen - Algen verursachen Massensterben von Zuchtlachsen in Chile“

(5) Tagesspiegel: „Reste aus den Weltkriegen Was wird aus den Millionen Tonnen Munition in Deutschlands Meeren?“