• Anastasia Michailova

Duft des Universums: Wonach riecht der Weltraum?

Hast du dich schon mal gefragt, wie es im Weltall riecht? Astronauten der NASA und ESA haben versucht den Geruch des Weltraums zu beschreiben – was gar nicht so einfach ist! Doch woher wissen sie das? Wie kann man im Vakuum des leeren Raumes überhaupt riechen? Und riecht es überall im Weltall gleich? Wir gehen dem Duft des Universums auf die Spur.


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Bilder: Andy Holmes (Unsplash), Josy Dom Alexis (Pixabay) & Fotor

Woher kann man überhaupt wissen, wie das Weltall riecht?


Das ist eine sehr gute Frage! Obwohl es bereits zahlreiche Weltraummissionen gab und über 230 Astronauten zur ISS reisten, wissen wir vergleichsweise wenig über die Weiten des Universums. Aber über den Geruch des Weltalls können wir einiges sagen. Doch wie konnten Astronauten am Weltraum „riechen“? Sie leben hermetisch abgeriegelt vom luftleeren Raum, der sich außerhalb ihrer Kapseln befindet. Außerdem können sie nicht einfach ihren Raumanzug während eines Weltraumspaziergangs öffnen. Sie würden aus verschiedenen Gründen sofort sterben.



Die Astronauten der NASA und ESA können aber an ihren Raumanzügen riechen, nachdem sie „draußen“ gewesen sind. Auch Raumkapseln, die an der ISS andocken, bringen den Geruch des Weltraums mit. Wenn dann die Luken aufgehen, riecht man die äußere Hülle, die gerade noch im All war.


Verbranntes Steak und Himbeeren? Wonach riecht das Weltall?


Die Astronautin Peggy Whitson, die einige Zeit auf der ISS verbrachte, beschrieb den Geruch des Weltraums folgendermaßen:


„Es ist ein Geruch, wie man ihn riecht, kurz nachdem eine Pistole abgefeuert wurde. Es ist ein fast bitterer Geruch mit einer rauchigen, verbrannten Note.“ - Peggy Whitson

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer schilderte den Geruch ähnlich, aber etwas „romantischer“:


„Wenn wir dann die Luken öffnen, riecht man die Oberfläche, die noch vor wenigen Minuten im freien Weltraum war. Es riecht ein wenig wie Wunderkerzen an Weihnachten.“ - Matthias Maurer über Raumsonden, die an der ISS andocken


Andere Astronauten, darunter Chris Hadfield, Anousheh Ansari, Charlie Duke und Greg Chamitoff beschrieben den Duft auch als eine Zusammensetzung aus Schießpulver, verbranntem Steak oder Mandelkeksen, Himbeeren, Schwefel und Rum. Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst bezeichnete den Geruch als Mischung aus Walnuss und Motorrad-Bremsscheiben.



Buzz Aldrin von der Apollo 11 – der ersten bemannten Raumfahrtmission mit Mondlandung – schrieb in seinem Buch „Magnificent Desolation: The Long Journey Home from the Moon“ über den Geruch des Mondstaubes:


„Er hatte eine sandige, kohleartige Textur und einen beißenden metallischen Geruch, so etwas wie Schießpulver oder der Geruch, der in der Luft liegt, nachdem man ein Feuerwerk abgefeuert hat. Neil beschrieb den Geruch als 'nasse Asche.'“ - Buzz Aldrin

Woher kommen diese verschiedenen Gerüche im Weltall?


Dass es im Weltraum nach Verbranntem riecht, klingt erstmal einleuchtend. Dieser Umstand ist auf sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zurückzuführen, die auf der Erde in Öl, Kohle und verbrannten organischen Substanzen vorkommen. Aber wie entstehen Gerüche wie „Himbeere“ oder „Rum“? Wieso riecht es im Vakuum plötzlich fruchtig?


Im Weltall „schwirren“ tatsächlich Ester (Aroma-Moleküle) herum. Ester werden auf der Erde als Aromastoffe verwendet. In der Molekülwolke „Sagittarius B“ - in der Nähe des Zentrums unserer Milchstraße - kommen zum Beispiel sogenannte Ameisensäure-Ethylester vor, welche von Lebensmittelchemikern zur Herstellung von Fruchtaromen benutzt werden. Auf diese Weise können eine Vielzahl an Gerüchen und Geschmacksrichtungen entstehen, ohne dass tatsächlich echte Himbeeren oder Rum vorhanden sind.


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Ein Teil des Pferdekopfnebels - einer riesigen Molekülwolke, Bild: NASA / ESA / Hubble Heritage Team (AURA/STScI)

Ein stinkender Komet


Doch nicht alles im Weltraum duftet nach Steak oder Himbeeren. Der Komet 67P/C-G ist nichts für schwache Nasen. Auf diesem Kometen konnte erstmals eine Raumsonde landen und sogar ein paar Proben mitnehmen, die „versehentlich“ auf der Sonde selbst haftengeblieben waren. Über den Geruch des Kometen schrieb die ESA: „Wenn du ihn riechen könntest, würdest du dir wahrscheinlich wünschen, du könntest es nicht.“



Kathrin Altwegg, eine Schweizer Astrophysikerin, berichtet, der Komet rieche nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) und Pferdestall (Ammoniak). Außerdem gäbe es noch bittere, mandelähnliche (Cyanwasserstoff), alkoholische (Methanol) und essigartige Noten (Schwefeldioxid).


Jupiter und Saturn riechen nach Knoblauch


Doch mit den miesen Gerüchen geht es noch weiter. Da es auf den Planeten Venus, Mars und Uranus ebenfalls eine hohe Schwefelkonzentration gibt, riecht es dort wahrscheinlich genauso nach faulen Eiern. Auf Jupiter und Saturn duftet es möglicherweise nach Knoblauch. Schuld daran sind Phosphor bzw. Monophosphan in der Atmosphäre. Monophosphan ist allerdings ein starkes Nervengift, welches bei uns Menschen sogar zu Koma führen kann.


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Saturn in seinen natürlichen Farben - fotografiert von der Raumsonde Cassini aus einer Entfernung von 6,3 Mio. km. Bild: NASA / JPL / Space Science Institute

NASA entwickelt eigenes Parfüm „Eau de Space“


Im Jahr 2008 hat die NASA in Zusammenarbeit mit dem Parfümeur Steve Pearce einen Duft herausgebracht, der nach dem Weltraum riechen soll - in diesem Fall rauchig und fruchtig - ursprünglich, um Astronauten zu trainieren. Letztendlich kam der Duft bei der NASA jedoch kaum zum Einsatz. Nach einer Crowdfunding-Kampagne, bei der rund 40.000 US-Dollar zusammenkamen, wurde das Parfüm stattdessen auf den freien Markt gebracht. Nun kann jeder das Eau de Space für insgesamt $49.00 pro Fläschen kaufen. Das Angebot richtet sich vor allem an Lehrer und Wissenschaftler, aber natürlich auch an alle Neugierigen. Die Entwicklung des Unisex-Parfüms dauerte insgesamt vier Jahre.



Es gab zu Beginn etwas Streit um das „Urheberrecht“ auf den Geruch des Weltraums, da die NASA die Geruchsformel als eine Art „Geheimnis“ betrachtete. Nach dem „Freedom of Information Act“ gelangte die sonderbare Rezeptur jedoch in den USA an die Öffentlichkeit.


Mit jeder verkauften Flasche Eau de Space, geht eine Spende an das US-amerikanische Bildungsprogramm „K-12“, das kostenlose Online-Kurse in naturwissenschaftlichen Fächern bereitstellt, um Bildung für alle zugänglich zu machen und mehr Chancengleichheit zu ermöglichen.

 

Buchtipp zum Artikel: Stephen Hawkings „Kurze Antworten auf große Fragen“


 

Das Fazit


Der Geruch des Weltalls ist sehr subjektiv und nicht überall gleich. Aufgrund von „umherfliegenden“ Aroma-Molekülen kann es im leeren Raum sogar fruchtig riechen. Allerdings bewirken Schwefel und andere übelriechende Substanzen auf Kometen und anderen kosmischen Objekten manchmal genau das Gegenteil. Die häufigste Aussage von Astronauten lautet, dass der Weltraum nach Schießpulver und Metall riecht.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) GEO: „Astronaut Matthias Maurer: Weltall riecht nach Wunderkerze“

(2) Spiegel Wissenschaft: „Zentrum der Milchstraße schmeckt nach Himbeere“

(3) Focus: „Riecht wie Weltall: Nasa entwickelt Parfum für Astronauten“

(4) futurezone: „Wie riecht der Weltraum?“

(5) ESA Blog: „The perfume of 67P/C-G“

(6) t3n.de: „Wie riecht der Weltraum – US-Astronautinnen beschreiben den All-Geruch“