• Anastasia Michailova

Jedes Jahr sterben Menschen beim Sex: Pathologie-Studien erklären warum

Wir alle wissen es: Sex ist gesund. Aber er hat auch eine dunkle Seite. Jedes Jahr sterben Menschen während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Mehrere Studien haben dieses Phänomen untersucht und erklären, warum es auch junge Menschen treffen kann.


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Bild: Dainis Graveris (Unsplash)

Zum Glück ist die Zahl, um die es hier geht, ziemlich gering (aber nicht weniger interessant). Insgesamt stehen 0,6 Prozent aller plötzlichen Todesfälle im Zusammenhang mit sexueller Aktivität, schreibt Dr. David C. Gaze – Dozent für Chemische Pathologie an der University of Westminster. Manche Untersuchungen sprechen nur von 0,2 Prozent. Studien aus Deutschland, England, den USA, Frankreich und Südkorea haben dieses Phänomen etwas genauer untersucht und die Gründe für plötzliche Todesfälle während bzw. nach dem Sex gefunden. Einige Studien schauen wir uns etwas genauer an. Alle anderen sind am Ende dieses Beitrags als weitere Quellen verlinkt.



Good News First: Sex ist gesund


Wir alle kennen die gesundheitlichen Vorteile von Geschlechtsverkehr. Damit dieser Artikel nicht so pessimistisch ist, wollen wir die positiven Effekte nicht unerwähnt lassen. Regelmäßiger Sex senkt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem, baut Stress ab und sorgt für einen besseren Schlaf. Ein Orgasmus und der körperliche Akt an sich setzen das Hormon Oxytocin frei, das auch das „Liebeshormon“ genannt wird. Dieses ist wichtig, um Vertrauen und Bindung zwischen zwei Menschen aufzubauen.


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Symbolbild: Becca Tapert (Unsplash)

Woran sterben Menschen beim Sex?


Wenn Menschen im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr sterben, lautet der Befund in der Regel „plötzlicher Herztod“. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Häufig ist es eine Kombination aus starker körperlicher Belastung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (z. B. Viagra) und/oder Drogen (z. B. Kokain).



Risikofaktoren für plötzlichen Herztod beim Sex


Eine forensische Autopsie-Studie aus Deutschland hat rund 32.000 plötzliche Todesfälle über einen Zeitraum von 33 Jahren untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass 0,2 Prozent aller Fälle im Zusammenhang mit sexueller Aktivität standen. Männer waren hiervon am meisten betroffen. Ihr Durchschnittsalter für einen plötzlichen Tod beim Geschlechtsverkehr lag bei 59 Jahren. Die häufigste Todesursache war ein Herzinfarkt. Andere Studien kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.


Nicht nur ältere Männer betroffen


Erst vor kurzem fand die St. George’s University of London heraus, dass auch junge Männer durch plötzlichen Herztod beim Geschlechtsverkehr sterben können. Die JAMA Cardiology veröffentlichte hierzu eine Studie, in der sie insgesamt 6.847 Fälle von plötzlichem Herztod zwischen Januar 1994 und August 2020 untersuchte, die in das Zentrum für Herzpathologie an der Universität eingeliefert wurden. 17 Todesfälle (0,2 Prozent) traten während oder im Zeitraum von einer Stunde nach sexueller Aktivität auf. Das durchschnittliche (mittlere) Todesalter betrug dieses Mal 38 Jahre. Ganze 35 Prozent aller Fälle betrafen Frauen, was entsprechend höher ausfällt als bei früheren Studien.


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Symbolbild: user_id:2286921 (Pixabay)

Die Ursache für einen plötzlichen Tod beim Sex war für jüngere Menschen typischerweise kein Herzinfarkt, wie es bei älteren der Fall ist. In der Hälfte aller Fälle (53 Prozent) wurden Herzrhythmusstörungen als Todesursache festgestellt, obwohl das Herz an sich physisch gesund war. Die zweithäufigste Todesursache (12 Prozent) war eine Aortendissektion. Hierbei reißt die innere Schicht der Hauptschlagader (Aorta). Dadurch dringt Blut in die Gefäßwand ein und beult diese aus, wodurch die Aorta platzt.

 

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Alle übrigen Fälle waren auf spezifische Vorerkrankungen zurückzuführen. Es lag entweder eine Erkrankung des Herzmuskels vor oder die Menschen litten genetisch bedingt an Kanalopathie. Bei letzterem funktionieren die Ionenkanäle, die Natrium und Kalium in die Zellen des Herzmuskels transportieren, nicht richtig. Dies kann zu Veränderungen des Herzrhythmus führen und Sauerstoffmangel verursachen, was wiederum häufig in Herzstillstand endet.


Das Fazit


Die Zahl der plötzlichen Todesfälle im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr ist so niedrig, dass selbst das Risiko bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen immer noch gering ist. Junge Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen zu der Risikogruppe gehören, sollten sich zur Sicherheit von ihrem Kardiologen bezüglich möglicher Gefahren bei sexueller Aktivität beraten lassen, um im Zweifelsfall schnell reagieren zu können und Warnsignale zu erkennen. Generell ist auch beim Konsum von Alkohol und der Verwendung von Medikamenten Vorsicht geboten. Von der Einnahme illegaler Drogen wird prinzipiell abgeraten.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Springer Link: „Sudden cardiovascular death associated with sexual activity“

(2) PubMed.gov: „Association of Sexual Intercourse With Sudden Cardiac Death in Young Individuals in the United Kingdom“

(3) PubMed.gov: „Sex, erectile dysfunction, and the heart: a growing problem“

(4) PubMed.gov: „Sexual Activity as a Trigger for Sudden Cardiac Arrest“

(5) European Heart Journal: „Sudden cardiac arrest during sexual intercourse“

(6) Semantic Scholar: „Causes of Sudden Death Related to Sexual Activity: Results of a Medicolegal Postmortem Study from 2001 to 2005“

(7) The Conversion: „Death during sex isn’t just something that happens to middle-aged men, new study finds“