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  • Anastasia Michailova

Diese 10 Pflanzen sind in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht

Bedrohte Pflanzenarten: Wir sprechen häufig über seltene Tiere, aber wenig über gefährdete Pflanzen. Dabei ist Vegetation die Grundlage für eine gesunde Natur. Hier findest du eine Liste mit 10 bedrohten Pflanzenarten in Deutschland, von denen du einige sogar selbst in deinem Garten anbauen kannst.


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10 bedrohte Pflanzen in Deutschland

Fast ein Drittel aller heimischen Wildpflanzen in Deutschland sind gefährdet – einige sogar vom Aussterben bedroht. Während seltene Tiere hierzulande regelmäßig im Fokus stehen, werden Pflanzenarten immer wieder vergessen. Dabei ist die Vegetation eine Grundlage für gesunde Ökosysteme und Biodiversität. Wenn bestimmte Pflanzen verschwinden, kann das verschiedene Tierarten drastisch beeinträchtigen. Manche Tiere, insbesondere Insekten, sind auf konkrete Gewächse angewiesen – zum Beispiel als Nahrungsgrundlage oder Eiablageort. Das weltweite Bienensterben geht zum Beispiel Hand in Hand mit der Dezimierung der Pflanzenvielfalt. Naturschutz muss immer ganzheitlich gedacht werden: Flora und Fauna.



Besonders Ackerwildkräuter haben es schwer in Deutschland. Sie benötigen nährstoffarme Böden, um zu gedeihen. Große Mengen an Düngemitteln und intensive Landwirtschaft zerstören ihren Lebensraum. Auch Wasserpflanzen leiden unter dem Eingriff des Menschen. Allein in den letzten 20 Jahren hat sich die Situation vieler Wildpflanzenarten hierzulande dramatisch verschlechtert. Mittlerweile sprechen Forscher von einem „Artensterben“ in unserer Agrarlandschaft und unseren Gewässern. Derzeit sind 8650 Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen in Deutschland gefährdet. (vgl. NABU)

 

10 bedrohte Pflanzenarten in Deutschland

 

Die folgenden 10 Pflanzenarten sind in Deutschland gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Wer einen Garten hat, darf sich von dieser Liste gerne inspirieren lassen und auf seinem eigenen Grundstück zum Naturschützer werden. Einige der hier aufgeführten Pflanzen können auch in Gärten angebaut werden und haben zum Teil sogar nützliche Eigenschaften. Sie dürfen jedoch nicht selbst aus der Natur entnommen werden.



1. Flammen-Adonisröschen

 

Die intensive rote Farbe gab dem Flammen-Adonisröschen den Beinamen „Brennendes Teufelsauge“. In Deutschland ist diese auffallende Ackerwildblume vom Aussterben bedroht. Nur noch selten sieht man sie an Feldrändern oder auf Wiesen. Das brennende Teufelsauge mag warme, trockene und kalkhaltige Böden. Es ist, wie alle Adonisröschen, giftig. Das Glykosid der Blume wird jedoch in Medikamenten gegen Herzerkrankungen eingesetzt. Grundsätzlich können Adonisröschen im eigenen Garten angebaut werden.


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Flammen-Adonisröschen

2. Arnika

 

Die leuchtend gelbe Arnika war einst eine sehr häufige Wiesenpflanze, ist jedoch mittlerweile selten geworden und deshalb geschützt. Sie liebt sandigen, aber auch torfig-humosen Boden. Dabei wächst sie im Flachland genauso wie in Gebirgsregionen. Echte Arnika gilt als Heilpflanze und wirkt desinfizierend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, blutdrucksenkend, antiseptisch und abschwellend. Sie wird deshalb äußerlich als Salbe bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Quetschungen, Muskelkater, Blutergüssen, Sehnen- und Faserrissen aufgetragen.



Arnika darf nicht innerlich angewendet werden und ist nur zum Auftragen auf die Haut bestimmt. Die Pflanze ist giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Dabei werden vor allem ihre Blüten und Wurzeln zur Arzneimittelherstellung verwendet. Die vielseitig nutzbare Arnika kann auch im eigenen Garten angepflanzt werden.


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Arnika

3. Bodensee-Vergissmeinnicht

 

Diese seltene Blume ist in Deutschland hochgradig gefährdet und wächst nur noch am Bodensee und am Starnberger See. Anfangs blüht das Bodensee-Vergissmeinnicht rosa, später werden die Blüten himmel- bis fliederblau. Die Pflanze reagiert sensibel auf Überflutungen und Dürre. Sie wächst in Ufernähe und ist direkt von dem Seewasser abhängig. Die Uferabschnitte werden jedoch immer wieder durch angeschwemmte Algenteppiche (durch zu viele Nährstoffe im Wasser) und Treibholz zerstört. Mittlerweile kümmern sich staatliche Institutionen um den Erhalt der Pflanzenart. Nur intensive Pflege und regelmäßige Kontrolle schützen das Bodensee-Vergissmeinnicht vor dem Aussterben.


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Bodensee-Vergissmeinnicht

4. Brockenanemone

 

Diese interessante Pflanze gibt es nur im Harz. Hoch oben auf dem Brocken – wo sich Hexen und Dämonen zur Walpurgisnacht treffen – gedeiht diese Pflanze, die im Volksmund auch „Teufelsbart“ genannt wird. Die unschuldig aussehende weiße Blume ist schwach giftig für Menschen bzw. Tiere und mittlerweile sehr selten geworden. Schuld daran ist in diesem Fall nicht die Landwirtschaft, sondern vor allem der saure Regen, der den Boden mit übermäßig vielen Nährstoffen überflutet. Dadurch gedeihen auf dem Brocken immer mehr Gräser, die den Teufelsbart verdrängen. Ehrenamtliche Naturschützer bewahren die Brockenanemone vor dem Aussterben.


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Brockenanemone

5. Emmer

 

Hierbei handelt es sich um eine der ältesten kultivierten Getreidearten Deutschlands, die sehr lange als wichtige Nahrungsgrundlage diente. Heute ist der Emmer unter dem Namen „Urkorn“ bekannt und wird von Bauern neu entdeckt. Der Emmer gilt als gefährdete einheimische Nutzpflanze. Als Menschen vor 11.000 Jahren damit anfingen, Getreide zu kultivieren, gehörte Emmer zu den „Gründerpflanzen“ und begleitete die Menschheit in ein neues Leben. Ab 5.000 v. Chr. wurde Urkorn auch in Deutschland angebaut. Im Mittelalter verdrängten jedoch ertragreichere Nutzpflanzen das Getreide. Heute wächst auf deutschen Äckern fast nur noch Weizen, Gerste, Mais, Raps und Roggen.



Die Vorteile von Emmer: Das Getreide sorgt für mehr Biodiversität, was die Landwirtschaft weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge macht. Außerdem braucht Emmer weniger Dünger, was boden- und gewässerschonender ist. Das Urkorn hat zudem mehr Protein und Mineralstoffe als Weizen. Viele Verbraucher schätzen seinen Geschmack. Brot aus Emmer schmeckt nussig – Bier ist kräftig und würzig. Urkorn ist ein Nischenprodukt, das aber langsam immer populärer wird.



6. Herzlöffel

 

Diese außergewöhnliche Wasserpflanze hat einen sonderbaren Lebenszyklus. Die Früchte der Pflanze fallen auf die Wasseroberfläche, wo sie sich mit Wasser vollsaugen und anschließend auf den Gewässergrund sinken. Dort beginnen sie zu keimen. Da diese Keimlinge jedoch wieder leichter sind als das Wasser, steigen sie erneut an die Oberfläche. Dort wachsen sie so lange heran, bis sie wieder zu schwer sind und zum zweiten Mal auf den Grund sinken. Jetzt beginnt der Herzlöffel Wurzeln zu bilden und sich mit ihnen im Boden zu verankern. Irgendwann ist die Wasserpflanze so groß, dass ihre Blätter wieder aus dem Wasser ragen und der Herzlöffel Früchte bildet.



Die Pflanze wächst nur in flachen Stellen von Teichen, Sümpfen und kleineren Seen – und das nur in Höhenlagen von 300 bis 700 Metern. Das schränkt seinen Lebensraum sehr ein. Wasserbauliche Maßnahmen, Entkrautung von Gewässern, sowie intensive Bewirtschaftung und Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft sorgten dafür, dass die Wasserpflanze heute stark bedroht ist. Der Herzlöffel braucht vor allem saubere und intakte Gewässer, um überleben zu können.


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Herzlöffel

7. Moorveilchen

 

Das lilafarbene Moorveilchen ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Es gedeiht nur in Niedermoorwiesen, von denen es hierzulande wenige gibt. Nur in der Oberlausitzer Heide ist das Moorveilchen noch zu finden. Werden die Niedermoorwiesen nicht gepflegt, verbuschen und verschilfen sie. Auch Entwässerung und Dünger aus der Landwirtschaft setzten der sensiblen Pflanze zu. Das Moorveilchen ist auf eine nachhaltige Landschaftspflege angewiesen.


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Moorveilchen

8. Sanddorn

 

Diese orangefarbene Frucht der Nord- und Ostseeküsten stellt mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt selbst exotische Zitrusfrüchte in den Schatten. Sanddornsaft wird gegen Erkältungen und zur Stärkung des Immunsystems getrunken. Außerdem wird der Sanddorn in verschiedenen kulinarischen Spezialitäten und sogar Hautpflegeprodukten verarbeitet.



Die bis zu 6 Meter hohen Sanddornbüsche schützen die Dünen und düngen den Boden mit Stickstoff, wodurch was Wachstum weiterer Pflanzen wie schwarzer Holunder, Weißdorn oder Hundsrose in den windigen und nährstoffarmen Küstengebieten begünstigt wird. Außerdem bietet Sanddorn Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Vogelarten.

 

Doch Sanddorn ist an deutschen Küsten zunehmend selten geworden. Schuld daran sind Nährstoffeinträge an den Dünen (durch Abfälle etc.) und Trittschäden durch Touristen. Auch die Ausbreitung der nichtheimischen Kartoffelrose sorgt zunehmend für eine Verdrängung des Sanddorns. In den letzten Jahren sprachen hierzulande viele vom „Sanddorn-Sterben“. Die Ursache scheint ein zuvor völlig unbekannter Krankheitserreger zu sein.


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Sanddorn

9. Sonnentau

 

Der rötliche Sonnentau bildet klebrige Tropfen in den Drüsenhaaren seiner Blätter, mit denen er Insekten fängt. Auf diese Weise holt sich die sonderbare Pflanze die nötigen Nährstoffe, die sie sonst kaum findet. Denn Sonnentau wächst in nährstoffarmen aber feuchten Dünentälern.

 

Dünentäler entstehen auf natürliche Weise im hinteren Teil einer Strandfläche, die durch einen Sandwall abgegrenzt ist. Doch die nährstoffarmen Dünentäler mit ihrer einzigartigen Flora werden durch die Nährstoffeinträge der Menschen bedroht. Abfälle verändern die Bodenbeschaffenheit und gefährden den anspruchsvollen Sonnentau. Mehrere Nationalparks an Nord- und Ostsee arbeiten daran, die natürlichen Dünentäler zu erhalten, die außerdem Lebensraum für verschiedene Tiere (z. B. die Kreuzkröte) sind.


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Sonnentau

10. Tide-Wasserfenchel

 

Diese besondere Pflanze wächst nur an einem Ort: am Gezeiten-Süßwasserufer der Elbe. Doch die Zerstörung von Auen, zunehmende Eindeichung und Flussregulierung gefährden den Tide-Wasserfenchel (auch Schierlings-Wasserfenchel genannt). Wissenschaftler des Botanischen Vereins Hamburg haben gemeinsam mit anderen Universitäten versucht, neue Lebensräume für diese seltene und anspruchsvolle Pflanze zu schaffen. Ihr Bestand steht unter Beobachtung.


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