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Eklig, dreckig, gefährlich: Die 8 miesesten Berufe der Antike und des Mittelalters

Die skurrilsten „Jobs“ der Geschichte: Sie waren eklig und unehrenhaft, verhasst und gefährlich. Manche Berufe überstanden die Jahrhunderte von der Antike, über das Mittelalter bis in die Neuzeit und existieren zum Teil heute noch.


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Bild: Souza_DF (Pixabay)

Sicherlich gibt es noch weitere sonderbare „Professionen“ und auch zu jedem hier aufgeführten Beruf ließe sich bestimmt noch einiges mehr erzählen. Sklaven, die insbesondere das Bild zahlreicher Kulturen in der Antike prägten, wurden in diesem Artikel nicht thematisiert, da dies kein „Beruf“ im herkömmlichen Sinne ist. Die Rolle der Sklaven und der Leibeigenen in der damaligen Gesellschaft darf jedoch nicht vergessen werden. In gleichem Maße die der militärischen Berufe, welche ebenfalls nicht im Beitrag vorkommen.



Zudem ist die moderne Auffassung eines „Berufes“ bei den hier aufgeführten Beispielen nicht immer zutreffend, wenn man historisch korrekt sein möchte. Doch das nur als kleiner Disclaimer. Jetzt beginnen wir eine Zeitreise durch die mit Abstand miesesten Jobs der Antike und des Mittelalters, deren Geschichte häufig bis in die Neuzeit reicht:


Der „Wächter des königlichen Anus“


Ja, genau SO hieß der „Proktologe“ des Pharaos im Alten Ägypten. Im Original „Neru phuyt“. In der medizinischen Papyrus-Sammlung von Chester Beatty, die aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. stammt, wird die Rolle dieses exklusiven ägyptischen Arztes genauestens beschrieben.


Zu den Aufgaben des „Wächters des königlichen Anus“ gehörten die Behandlung der Hämorrhoiden des Pharaos und die Entleerung des Darms, wenn der Herrscher über Ägypten mal wieder zu viel gegessen hatte. Zur Entleerung des Darms führte der antike „Proktologe“ dem Pharao eine lange Goldkanüle in den Anus ein und blies Wasser durch sie hindurch. Diese Technik funktionierte im Grunde wie ein Einlauf.



Verdauungsbeschwerden scheinen im Alten Ägypten allgemein ein großes Thema gewesen zu sein. In einer zwanzig Meter langen Papyrusrolle aus dem 15. Jahrhundert v. Chr., die der Ägyptologe Georg Moritz Ebers im Jahr 1872 einst in Luxor erworben hatte, kam der Begriff „Verstopfung“ ein dutzendmal vor. Auch hier empfehlen die Alten Ägypter einen Einlauf bzw. die Einnahme von Rizinussamen. Auch Herodot und Diodorus Siculus schreiben, dass die Ägypter rein vorsorglich mehrmals im Monat Einläufe machten, Brechmittel benutzten und Medikamente rektal einführten.


Der Abtrittanbieter


*erste Ursprünge vermutlich im Spätmittelalter


Öffentliche Toiletten sind heute eine Selbstverständlichkeit. Bereits im antiken Rom gab es öffentliche Latrinen, Badehäuser und ein funktionierendes Abwassersystem. In römischen Städten gehörte dies zum Standard. Doch mit dem Fall des Römischen Reiches verfielen nicht nur ihre hochgelobten Straßen und Aquädukte, sondern auch ihre Toiletten und Badehäuser. Es gab im Mittelalter eine Badekultur, diese war jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt, wie noch einige Jahrhunderte zuvor.


Bald gab es in den Städten so etwas wie „Fahrdienste“, die von Haus zu Haus fuhren und regelmäßig die Nachttöpfe der einzelnen Haushalte entleerten. Aber wohin soll man gehen, wenn man in der Stadt (weit weg von Zuhause) unterwegs ist und nötig auf Toilette muss? Öffentliche Latrinen waren, wie gesagt, nicht die Regel. Mit dem Bau von umfassenden Kanalisationssystemen wurde in deutschen Städten erst im 19. Jahrhundert wieder begonnen.


Seine Notdurft einfach an irgendeiner Hauswand, in einer schmalen Gasse oder dunklen Ecke zu verrichten war zumeist verboten und stand unter Strafe, weil die Menschen schon damals Fäkalien mit allerlei Krankheiten in Verbindung brachten. Für das „Geschäft zwischendurch“ gab es vorwiegend im 18. und 19. Jahrhundert, sogenannte „Abtrittanbieter“. Eigentlich war der Abtrittanbieter eher ein Phänomen der Neuzeit, der seinen Ursprung jedoch eventuell schon im ausgehenden Mittelalter hatte. Dieser Beruf wurde von Männern und von Frauen („Buttenweib“, „Madame Toilette“) gleichermaßen ausgeübt.

 

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Der Abtrittanbieter bot den Menschen auf den Straßen die Möglichkeit sich „unbehelligt“ zu erleichtern. Er trug einen übergroßen Mantel und hatte einen Eimer dabei. Wer dringend auf die Toilette musste, konnte sich für kleines Geld auf den Eimer setzen bzw. hocken und wurde vom Mantel des Abtrittanbieters umhüllt, sodass nur noch sein Kopf herausschaute. Auf diese Weise war man, zumindest in gewisser Weise, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen. Diese „mobilen Toiletten“ waren vorzugsweise in dichtgedrängten Städten, auf gutbesuchten Märkten und großen Veranstaltungen vertreten.


Es gibt viele Berichte über Abtrittanbieter und den Mangel an öffentlichen Latrinen. Lieselotte von der Pfalz, Herzogin von Orleans, beschrieb das Problem sehr treffend und „vorzüglich“ in einem Brief vom 09. Oktober 1694:


„Sie sind in der glücklichen Lage, scheißen gehen zu können, wann Sie wollen, scheißen Sie also nach Belieben. Wir sind hier nicht in derselben Lage, hier bin ich verpflichtet, meinen Kackhaufen bis zum Abend aufzuheben; es gibt nämlich keinen Leibstuhl in den Häusern an der Waldseite. Ich habe das Pech, eines davon zu bewohnen und darum den Kummer, hinausgehen zu müssen, wenn ich scheißen will, das ärgert mich, weil ich bequem scheißen möchte, und ich scheiße nicht bequem, wenn sich mein Arsch nicht hinsetzen kann.“



Gerber und Färber


Diese beiden Berufe waren alles andere als angenehm. Gerbereien lagen bevorzugt an Flüssen oder Bächen, weil man die Tierhäute häufig im Wasser bearbeitet hat. Das ständige Stehen in kaltem Wasser und das Schleppen von nassen schweren Häuten führte zu Rheuma, Infektionen und starken Erkältungen. Außerdem benutze man zum Gerben gerne Tierfett und Urin. Diese machten das Leder später „geschmeidig“. Der Gestank muss fürchterlich gewesen sein.


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Färber im 15. Jahrhundert, Bild: British Library (Creative Commons)

Auch die Färber waren ständiger Feuchtigkeit und extremen Gerüchen ausgesetzt. Zum Beizen (Vorstufe des Bleichens) kam häufig Essig oder Pferdeurin zum Einsatz. Die Stoffe, die gefärbt werden sollten, mussten rund eine Stunde in einer Lösung aus Farb- und Beizmitteln schwimmen. Angefasst wurde alles mit bloßen Händen und natürlich ohne Handschuhe.


Der Urin-Sammler


Da auch menschlicher Urin seinen Wert hatte bzw. bei fehlenden Abwassersystemen in großen Siedlungen wegbefördert werden musste, gab es natürlich auch hierfür Leute, die entweder (wie oben beschrieben) die Nachttöpfe eines jeden Haushaltes ausleerten oder aber Urin aus öffentlichen Latrinen oder Senkgruben aufsammelten, um sie für die Gerbung, Färbung oder später auch für die Salpeterherstellung weiterzuverkaufen.



Der Latrinen-Reiniger


Und natürlich mussten die öffentlichen Toiletten, die es in der Antike und zum Teil im Mittelalter gegeben hat, auch gereinigt werden. Insbesondere auf den Burgen gab es ein ganzes Netz aus Bediensteten, die das „Ökosystem“ Burg am Laufen hielten. Kloputzen gehörte auch dazu.


Der Henker


Die Arbeit des Henkers bzw. Scharfrichters gehörte zu den „unehrlichen“ Berufen. Diese Menschen lebten am Rande der Gesellschaft, obwohl sie einer (zu der Zeit) wichtigen Tätigkeit nachgingen. Todesstrafen mussten regelmäßig verhängt werden, bis ins 20. Jahrhundert hinein. Gewöhnlich war der Henker auch gleichzeitig der Foltermeister. Sein Beruf wurde, wie viele andere, von Generation zu Generation weitergegeben.


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Hinrichtung von Seeräubern am 10. September 1573 in Hamburg - gedruckt auf einem Flugblatt aus der Zeit, Bild: Sebastian Sonntag (Creative Commons)

Ein Henker hatte es im Mittelalter und auch in der beginnenden Neuzeit nicht leicht. Er durfte weder Land besitzen noch ein öffentliches Amt bekleiden. In der Kirche mussten Henker ganz hinten stehen und waren beim gemeinsamen Abendmahl immer die letzten, die Essen durften. Wollte er ein Wirtshaus betreten, musste er sich den Anwesenden als Henker zu erkennen geben. Erst wenn keiner der anderen Gäste etwas dagegen hatte, durfte er eintreten. Er musste jedoch an einem speziellen Tisch essen und auf einem dreibeinigen Stuhl sitzen. Seine Krüge und Becher waren mit einer Kette an der Wand befestigt. Den Wein schenkte man ihm über die Hand ein, was einer Beleidigung gleichkam.



Im Alltag mussten Henker immer als solche zu erkennen sein, weshalb sie spezielle auffällige Kleidung tragen sollten. Ihr „Dresscode“ änderte sich jedoch im Laufe der Zeit. Mal mussten sie rote oder grüne Kleidung tragen, später graue Mäntel und spitz zulaufende Hüte. In der Neuzeit etablierte sich ein schwarzer Gehrock mit Zylinder oder Melone. An manchen Orten mussten Henker sogar ein Glöckchen am Kragen befestigen, damit man sie von Weitem hören konnte.


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Der Heilige Nikolaus rettet drei Unschuldige vor dem Tod - Gemälde von Johannes von Ljubljana, Bild: Slowenische Nationalgalerie (Creative Commons)

Henker durften nur die Töchter von anderen Henkern heiraten. Dafür gab es spezielle Heiratsmärkte. Es ist überliefert, dass eine zum Tode verurteilte Frau begnadigt werden konnte, wenn sie ihren Henker ehelichen würde. Es heißt, dass viele Frauen den Tod vorgezogen hätten.


Einem Henker durfte nicht zugewunken werden. Man durfte sie weder grüßen noch berühren. Einer der Gründe, warum Henker nicht berührt werden durften, war die Angst vor einer Ansteckung mit möglichen Krankheiten, da diese Berufsgruppe dem Tod in gewisser Weise sehr nahestand. „Ehrliche Bürger“, die trotzdem mit einem Henker verkehrten, konnten ihre Privilegien verlieren.

 

Buchtipp zum Artikel: „Vollstreckt - Johann Reichhart. Der letzte deutsche Henker“


 

Der Abdecker


Der Abdecker erfuhr ein ähnliches Schicksal wie der Henker. Aufgrund der Seuchengefahr war es seine Aufgabe tote Tiere zu entsorgen und diese weiterzuverwerten. Die tierischen Abfallprodukte dienten dem Abdecker als Lohnersatz. Er brachte die Knochen zum Seifensieder, verfaulte Fleischreste zum Salpetersieder und die Häute zum Gerber.


Aufgrund des hohen Risikos sich mit Krankheiten anzustecken und des ständigen Gestanks, der mit ihrer Arbeit einherkam, lebten Abdecker außerhalb der eigentlichen Siedlungen. Sie mussten ebenso wie Henker untereinander heiraten. Für „ehrliche Bürger“ war es verboten, mit ihnen zu verkehren.


Die Prostituierte


Die Rolle der Prostituierten änderte sich im Laufe der Zeit und dieses Thema allein füllt ganze Bücher. Diese Frauen waren seit jeher Teil des Stadtlebens. Wohl aus „praktischen Gründen“ mussten sie sich durch ihre Kleidung zu erkennen geben. An manchen Orten trugen sie rote Mützen, an anderen eine gelbe Armbinde. Für einen Freier hatte dies den Vorteil, dass er Prostituierte schnell erkennen und um ihre Dienste bitten konnte. Die Frauen mussten also keine „Werbung“ für sich machen.


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Mittelalterliche Darstellung eines Bordells aus dem 15. Jahrhundert - Künstler unbekannt, Bild: FrauenMediaTurm (Creative Commons)

Die Kennzeichnungspflicht aufgrund der Kleiderordnung brachte den Frauen im Laufe des Mittelalters bzw. in der Frühen Neuzeit zunehmend Nachteile. Prostitution wurde immer häufiger als Werk des Teufels angesehen und Prostituierte als Hexen verurteilt. Das Frauenbild und die Vorstellungen von Sexualität wandelten sich im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich. Und die Hexenprozesse als solche sind ein sehr umfangreiches und kompliziertes Thema.


Welchen Beruf fandest du am interessantesten oder vielleicht auch am furchtbarsten? Teile diesen Beitrag gerne mit deinen Freunden.


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Neue Züricher Zeitung: „Hüter des Afters - Eine kurze Geschichte der Verdauung“

(2) Weird Universe: „Shepherd of the Royal Anus“

(3) Der Tagesspiegel: „Andere Zeiten, andere Berufe - Der Abtrittanbieter“

(4) Planet Wissen: „Werkstoffe - Leder“

(5) Planet Wissen: „Prostituierte im Mittelalter“

(6) Berufe dieser Welt: „Die Färber“

(7) Berufe dieser Welt: „Die Abdecker“

(8) Henker Museum: „Der Henker und Folterknecht“