• Anastasia Michailova

Nachhaltig und vegan? - Woraus besteht Kunstleder?

Aus Tierliebe bevorzugen immer mehr Menschen Produkte aus Kunstleder anstatt Echtleder. Dabei ist das Imitat vom Original häufig kaum zu unterscheiden. Es sieht aus und fühlt sich an wie tierisches Leder, manchmal riecht es sogar danach - ob als Jacke, Tasche, Sofa oder Autositz. Doch wie nachhaltig ist „veganes“ Leder wirklich? Woraus wird es hergestellt? Und welche rein pflanzlichen und ökologischen Kunstleder-Arten gibt es? Wir geben dir einen Überblick.


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Hintergrundbild: Kelly Sikkema (Unsplash)

Kapitel in diesem Beitrag

  1. Kunstleder auf Erdölbasis

  2. Plastik im Meer durch Kunstleder

  3. Das Problem mit pflanzenbasiertem Kunstleder

  4. Pflanzen-Leder: Diese 10 Kunstleder-Arten sind pflanzlich



Kunstleder auf Erdölbasis


Das hören auch Tierfreunde wahrscheinlich nicht gerne. Kunstleder ist zwar frei von tierischen Inhaltsstoffen, besteht aber fast immer aus Kunststoff und synthetischen Zusätzen. Die Grundlage für Kunstleder bildet in den meisten Fällen PVC – Polyvinylchlorid. Dieses entsteht auf Basis von Erdöl.


Damit es seine nötige Beschaffenheit bekommt, enthält Kunstleder Weichmacher, Lösungsmittel und synthetische Harze. Diese können gesundheitsschädlich sein – zum Beispiel Allergien auslösen, die Schleimhäute reizen oder die Lungenfunktion beeinträchtigen. Kunstleder von vornherein als umweltfreundlich oder nachhaltig zu bezeichnen, ist also falsch.


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Kunstleder oder Echtleder? Für viele mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden. Bild: Konstantin Evdokimov (Unsplash)

Wissenswert: Bei der Gerbung von tierischem Leder werden auch Chemikalien wie Acrylate (aus Erdöl) oder Polyurethane (Kunststoff bzw. Kunstharz) eingesetzt, die ebenfalls negative Folgen auf die Gesundheit haben können. Besonders die sogenannte „Chromgerbung“ sorgt für chromhaltige Abwässer, die auch die Umwelt belasten, wenn sie nicht ordnungsgemäß aufbereitet und recycelt werden.


Plastik im Meer durch Kunstleder


Ein großes Problem ist die fachgerechte Entsorgung. PVC-Kunstleder gelangt häufig als Plastikmüll in die Weltmeere und wird dort von Fischen, Vögeln und anderen Tieren gefressen. Die ökologische Belastung durch Kunstleder ist also nicht zu unterschätzen.



Das Problem mit pflanzenbasiertem Kunstleder


Mittlerweile experimentieren Textilhersteller mit unterschiedlichsten Materialien, um veganes und gleichzeitig nachhaltiges Leder mit einer deutlich besseren Ökobilanz herzustellen. Es gibt jedoch ein Problem mit Kunstleder auf „biobasierten Rohstoffanteilen“– die Haltbarkeit.


In der Praxis hat sich gezeigt, dass pflanzliches Kunstleder in vielen Fällen nicht sehr robust, langlebig und strapazierfähig ist, wenn man es nicht mit synthetischen Zusätzen bearbeitet. Nicht jedes Pflanzen-Leder eignet sich gleichermaßen für die Herstellung eines bestimmten Produktes - manches ist besser für Schuhe, anderes für Taschen. Doch Unternehmen und Start-ups suchen nach immer besseren Möglichkeiten, um haltbares und gleichzeitig umweltfreundliches Kunstleder zu entwickeln.



Pflanzen-Leder: Diese 10 Kunstleder-Arten sind pflanzlich


Bisher sind unter anderem folgende pflanzliche Kunstleder-Alternativen bekannt. Jedes Produkt hat seine ganz individuellen Eigenschaften.


Ananas-Leder

  • Auch „Pinatex“ genannt

  • Aus Fasern von Ananas-Blättern (Abfallprodukt bei der Ernte)

  • Ähnlich robust wie echtes Leder

Kaktus-Leder

  • Aus dem Nopal-Kaktus aus Mexiko

  • Atmungsaktiv und widerstandsfähig

Apfel-Leder

  • Besteht aus 70 % zerkleinerten Apfelresten und 30 % Polyurethan

  • Polyurethan für zusätzliche Stabilität

  • Dennoch vollständig recyclebar

Pilz-Leder

  • Aus Wurzelfasern des Zunderschwamms oder Kombucha

  • Sehr reißfest


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Aus dem Kombucha-Pilz, der als Lebensmittel in einer Nährlösung aus Tee und Zucker wächst, lässt sich sehr reißfestes Leder herstellen. Bild: Tim-Oliver Metz (Unsplash)

Kaffee-Leder

  • Aus recyceltem Kaffee, Kaffeebohnen und Kaffeeblättern

  • Häufig in Verbindung mit Kautschuck

  • Leichter Kaffeegeruch möglich

Bananen-Leder

  • Aus Fasern der Bananen-Bäume

  • Bananen-Bäume tragen nur einmal Früchte

  • Daher Abfallprodukt bei der Ernte

  • Wasserabweisend, schwer entflammbar und reißfest

Kork-Leder

  • Aus Korkeiche

  • Strapazierfähig, wasserabweisend und atmungsaktiv


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Auch aus der Korkeiche lässt sich Leder herstellen. Bild: Mathis Jrdl (Unsplash)

Teak-Leder

  • Aus den Blättern des Teak-Baumes

  • Wird mit Wachs versiegelt

  • Wasserabweisend und langlebig

Trauben-Leder bzw. Wein-Leder

  • Aus den Überresten der Weinernte

  • Haut, Stiele, Samen der Trauben

Papier-Leder

  • Aus Zellulose und Latex

  • FSC-Zertifiziert (nachhaltige Waldwirtschaft)

  • Sogar wasch- und bügelbar

  • Rohmaterial wird gerne zum Basteln und DIY verwendet


Veganes Papier-Leder: DIY zum Selbstgestalten, Nähen, Basteln, Bedrucken, Plotten


 

Quellen bzw. weiterführende Links


(1) pvch: „Herstellung von PVC“

(2) National Geographic: „Erstaunliches Ergebnis: So nachhaltig ist veganes Leder“

(3) Utopia: „Apfel, Papier, Ananas: 10 vegane Leder-Sorten, die du kennen solltest“

(4) Braun Büffel: „Was unterscheidet Echtleder von Kunstleder?“

(5) öko-fair: „Kunstleder“