• Anastasia Michailova

Symptome radioaktiver Strahlung: Folgen von Radioaktivität auf den menschlichen Körper

Sie ist unsichtbar, aber sehr gefährlich. Sie kommt mit der Luft durch Türen und Fenster. Man kann sie nicht riechen oder anderweitig wahrnehmen. Radioaktive Strahlung ruft je nach Intensität verschiedene Symptome im menschlichen Körper hervor und kann zur Strahlenkrankheit führen. In diesem Beitrag zeigen wir die kurzfristigen bzw. langfristigen Folgen von Radioaktivität und ab wann sie gefährlich wird. Außerdem erklären wir, inwieweit man Verstrahlung behandeln kann und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen es gibt.


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Bild: Kilian Karger (Unsplash)

Kapitel in diesem Beitrag:


(1) Was ist die Strahlenkrankheit?

(2) Tschernobyl-AIDS

(3) Wie viel radioaktive Strahlung ist gefährlich?

(4) Symptome bei Menschen je nach Strahlungsintensität (in 10 Schritten)

(5) Erste Hilfe, Behandlung und Therapie bei radioaktiver Verstrahlung



Was ist die Strahlenkrankheit?


Die sogenannte „Strahlenkrankheit“ tritt insbesondere nach Atombomben-Explosionen oder Strahlungsunfällen auf. Der bisher bekannteste Unfall in einem Kernkraftwerk war die nukleare Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986. Opfer des Reaktorunfalls gibt es viele. Manche von ihnen (z. B. einige der Feuerwehrmänner, die bereits kurz nach der Explosion vor Ort waren, um den Brand zu löschen) starben nach wenigen Tagen. Andere Opfer (z. B. Bewohner der naheliegenden Stadt „Prypjat“) lebten noch 20 Jahre oder länger.


Auch die Nuklearkatastrophe von Fukushima ging in die Geschichte ein. Ein Tsunami beschädigte das Atomkraftwerk in Japan und damit begann am 11. Mai 2011 eine ganze Unfallserie. Das Gebiet ist so verstrahlt, dass die Bewohner von Fukushima auch zehn Jahre nach der Katastrophe nicht in ihre Häuser zurückkehren konnten.


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Prypjat ist seit der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl eine Geisterstadt. Bild: Wendelin Jacober (Pixabay)

Was passiert, wenn man hoher radioaktiver Strahlung ausgesetzt ist? Die ionisierende Strahlung, wie z. B. Röntgen- oder Gammastrahlung, tötet die bestrahlten Zellen nicht sofort, sondern verhindert ihre Teilungsfähigkeit. Hautzellen haben eine sehr hohe Zellaustauschrate. Wenn hier also plötzlich keine neuen Zellen gebildet werden können, ist die Haut bereits nach wenigen Tagen zerstört. Knochen hingegen haben eine niedrige Zellaustauschrate und wachsen deutlich langsamer. Hier zeigen sich Strahlenschäden erst nach Monaten. Erste Anzeichen einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen („Strahlenkater“), Übelkeit und Erbrechen. Doch es kann noch viel schlimmer werden.



Tschernobyl-AIDS


Die Körperabwehr vieler Menschen, die unmittelbar von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen waren, ist zum Teil so beschädigt gewesen, dass man vom sogenannten „Tschernobyl-AIDS“ sprach. Das Immunsystem dieser Personen funktionierte nicht mehr richtig. Die Schilddrüsen wurden dicker, weil sich das radioaktive Jod in ihnen ansammelte. Die Menschen fühlten sich müde und schwach. Das Infektionsrisiko erhöhte sich drastisch, was typisch für so einen Vorfall ist. Im Rahmen einer Behandlung werden in entsprechenden Fällen Antibiotika gegeben. Eine enorme Schwächung des Immunsystems durch radioaktive Strahlung wurde auch nach Atomtests beobachtet und ist keineswegs ein reines Tschernobyl-Phänomen.


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Touristen suchen in Tschernobyl nach erhöhter Radioaktivität. Bild: Jorge Fernández Salas (Unsplash)

Wie viel radioaktive Strahlung ist gefährlich?


Ab wann spricht man von hoher radioaktiver Strahlung? Es heißt ja, die Dosis macht das Gift. Bei der Radioaktivität ist das auch der Fall. Die Strahlendosis wird in Gray (Gy – absorbierte Energiedosis) bzw. in Sievert (Sv – effektive Energiedosis) gemessen. Um etwas mehr Klarheit zu schaffen sei gesagt, dass diese Einheiten im Grunde identisch sind (mit Ausnahmen!). Sie beschreiben ein Joule pro Kg.


Der gesetzliche Grenzwert im Rahmen des Strahlenschutzes liegt bei 20 mSv. Ab einem Wert von 1 Gy Ganzkörperbestrahlung spricht man von einer Strahlenkrankheit. Doch bereits bei niedrigeren Werten können Spätfolgen wie Krebs und Erbgutveränderungen auftreten. Die Strahlenwerte, denen Menschen ausgesetzt sind, können aber 80 Gy übersteigen.



Im Allgemeinen gilt, je höher die Strahlenwerte:


  • desto stärker sind die Symptome

  • desto schneller treten die Symptome auf

  • desto länger dauert der Genesungsprozess

  • desto geringer sind die Überlebenschancen

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Symptome bei Menschen je nach Strahlungsintensität (in 10 Schritten):


Die folgenden Daten stammen u. a. aus den Untersuchungen von Atomtests in Bezug auf eine Ganzkörperbestrahlung mit Röntgen- und Gammastrahlen. Es handelt sich hier nur um eine Einschätzung.


Bis 1 Gy: Nicht tödlich, aber Spätfolgen möglich

  • Keine Strahlenkrankheit

  • Keine Symptome möglich

  • Kopfschmerzen

  • Eventuelle Spätfolgen: Krebs, Erbgutveränderungen

  • Häufigste Krebsart: Leukämie (Blutkrebs)


1 – 2 Gy: 10 % Todesfälle nach 30 Tagen

  • Leichte Strahlenkrankheit

  • Übelkeit mit Erbrechen

  • Müdigkeit

  • Vorübergehende Unfruchtbarkeit bei Männern

  • Signifikante Schwächung des Immunsystems („Tschernobyl-AIDS“)

  • Verletzungen heilen langsamer

  • Symptome können bis zu einem Monat andauern


2 – 3 Gy: 35 % Todesfälle nach 30 Tagen

  • Schwere Strahlenkrankheit

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

  • Haarausfall am ganzen Körper

  • Bereits dauerhafte Unfruchtbarkeit bei Frauen möglich

  • Symptome können mehrere Monate andauern


3 – 4 Gy: 50 % Todesfälle nach 30 Tagen

  • Schwere Strahlenkrankheit

  • Symptome wie bisher

  • Blutungen im Mund, unter der Haut und in den Nieren



4 – 6 Gy: 60 % Todesfälle nach 14 Tagen

  • Akute Strahlenkrankheit

  • Symptome wie bisher

  • Erste Symptome bereits 30 Minuten nach Verstrahlung möglich


6 – 10 Gy: Bis zu 100 % Todesfälle nach 14 Tagen

  • Kaum Überlebenschancen

  • Einzige Hilfe: Knochenmarktransplantation

  • Symptome wie bisher

  • Vollständige Genesung unwahrscheinlich


10 – 20 Gy: 100 % Todesfälle nach 7 Tagen

  • Keine Überlebenschancen

  • Erste Symptome bereits 5 Minuten nach Bestrahlung

  • Einzige Therapie: Schmerzstillung bis zum Tod


20 – 50 Gy: 100 % Todesfälle nach 3 Tagen

  • Keine Überlebenschancen

  • Einzige Therapie: Schmerzstillung bis zum Tod


Über 50 Gy: 100 % Todesfälle innerhalb weniger Stunden

  • Sofortige Desorientierung und Koma


Über 80 Gy: Sofortiger Tod

 

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Erste Hilfe, Behandlung und Therapie bei radioaktiver Verstrahlung


  • Entfernen von radioaktiv verstrahlten Substanzen vom Körper der betroffenen Person (Dekontamination)

  • Gabe von Iod (verhindert, dass sich radioaktives Iod in der Schilddrüse anreichert – hilft im Grunde aber nur, wenn es vor der Kontamination eingenommen wird)

  • Eventuelle Bluttransfusion bzw. Stammzellen-Transplantation

  • Knochenmarktransplantation bei sehr starker Verstrahlung

  • Gabe von Antibiotika, da das Infektionsrisiko nach radioaktiver Verstrahlung stark erhöht ist („Tschernobyl-AIDS“)


 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Bundesamt für Strahlenschutz: „Folgen eines Strahlenunfalls“

(2) chemie.de: „Strahlenkrankheit“

(3) Spiegel Wissenschaft: „Folgen von Radioaktivität: Was die Strahlen im Menschen anrichten“

(4) Crisis Prevention: „Tschernobyl - Der Feuerwehreinsatz aus heutiger Sicht“

(5) Ärzte Zeitung: „Glossar zum Strahlenschutz“