• Anastasia Michailova

Sterben in Gefangenschaft: Darum werden Weiße Haie nicht in Zoo-Aquarien gehalten

Hast du dich schon mal gefragt, warum du eigentlich niemals einen Weißen Hai in Zoo-Aquarien oder Meeresmuseen siehst? Der Grund dafür ist, dass Weiße Haie nur wenige Tage in Gefangenschaft überleben. Alle Versuche, diese großen Meeresräuber in Wasserbecken zu halten, schlugen fehl. Doch warum sterben Weiße Haie nach so kurzer Zeit?


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Bild: Gerald Schömbs (Unsplash)

Weiße Haie sterben bereits nach wenigen Tagen in Gefangenschaft

In Aquarien kann man heutzutage fast alles bestaunen: eine unendliche Vielzahl an Fischarten, Pflanzen und Schildkröten. Ja, sogar Walhaie, Belugas und Mantarochen gibt es in riesigen Salzwasser-Becken. Doch Weiße Haie wird man dort nie finden. Warum eigentlich? Seit den 50er Jahren wurde insgesamt 37-mal versucht Weiße Haie in Aquarien zu halten, da diese mit Sicherheit große Publikumsmagneten wären. Aber es hat kein einziges Mal funktioniert.



Zuletzt versuchte das japanische Okinawa-Churaumi-Aquarium einen 3,5 Meter langen Weißen Hai zu beherbergen. Doch dieser starb bereits nach drei Tagen, obwohl es sich hier in Japan um das zweitgrößte Aquarium der Welt handelte. Dem Hai nützte das alles wenig. Er wurde immer schwächer, sank zu Boden und verweigerte jegliche Nahrung. Trotz der Verlegung in ein anderes Becken und zusätzlicher Sauerstoffzufuhr, starb der Haifisch.


So ähnlich endete bisher jeder Versuch einen Weißen Hai „gefangen zu halten“. Das Tier verendete innerhalb weniger Tage oder Wochen. Den „Rekord“ hält das kalifornische Monterey Bay Aquarium. Hier überlebte ein Weibchen 198 Tage lang, bis sie anfing andere Fische des Aquariums zu jagen und zu töten. Sie selbst war noch ein Jungtier von nicht einmal zwei Metern Länge. Am Ende wurde die Hai-Dame freigelassen, weil sie für andere Tiere zur Gefahr wurde. In der freien Wildbahn können Weiße Haie bis zu 70 Jahre alt werden und zählen damit zu den langlebigsten Knorpelfischen.


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Das Gerogia Aquarium (USA) - das größte Aquarium der Welt - fasst beinahe 30 Mio. Liter Wasser und beherbergt sogar Walhaie. Bild: brmr (Unsplash)

Woher stammen die Weißen Haie für Aquarien?


Tatsächlich wurden für die bisherigen Versuche nicht gezielt ausgewachsene Tiere gefangen, um sie dann in Aquarien einzusetzen. Es handelte sich in der Regel um junge Weiße Haie, die als Beifang in Fischernetzen landeten und zum Teil sogar verletzt waren.


Sind Weiße Haie „zu groß“ für Zoo-Aquarien?


Der Weiße Hai hat eine Durchschnittslänge von vier Metern. Es wurden bereits Exemplare mit einer Größe von sieben Metern beobachtet. Damit zählen Weiße Haie zu den größten Haifisch-Arten. Doch ihre enorme Körperlänge scheint nicht der primäre Grund dafür zu sein, dass sie in Aquarien sterben. Orcas, die mehr als neun Meter lang werden, können zum Beispiel in Gefangenschaft überleben und werden immer noch in Tiershows präsentiert.



Das Fressverhalten der Weißen Haie macht Probleme


Viele Forscher sehen die Ernährung als einen Hauptgrund für das Verenden von in Gefangenschaft lebenden Weißen Haien. Diese Tiere haben einen unermesslichen Jagdtrieb. Sie kommen tatsächlich in allen Weltmeeren vor und passen ihre Nahrung dementsprechend an. Von Quallen, Krebsen und Tintenfischen bis zu anderen Haien und Meeressäugetieren wie Robben und Delfinen landet alles zwischen den Zähnen des Weißen Hais.


In Aquarien werden Haie jedoch mit toten Tieren gefüttert, um die Fütterung so einfach wie möglich zu gestalten und den Besuchern schreckliche Bilder zu ersparen. Welches Kind möchte schon gerne sehen, wie eine süße Robbe von einem riesigen Hai getötet und gefressen wird?


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Der Weiße Hai wird immer ein Jäger sein. Bild: Alex Steyn (Unsplash)

Doch genau hier scheint das Problem zu liegen. Weiße Haie können auch Aas fressen, aber sie werden immer Jäger bleiben. Deshalb treten Weiße Haie meist nach einiger Zeit der Gefangenschaft in den „Hungerstreik“ und fressen zu wenig. Auf der anderen Seite können sie für alle anderen (lebenden!) Aquarium-Bewohner auch zur Gefahr werden.


„Es kann vorkommen, dass andere Arten, auch andere Hai-Arten, die eigentlich zu der Ausstellung des Aquariums gehören, von Weißen Haien gefressen werden. Die meisten der über 500 Hai-Arten werden nicht einmal einen Meter lang und sind daher auch für junge Weiße Haie potenzielle Beute.“ - Dr. Manuel Dureuil, Hai-Forscher an der Dalhousie-Universität, Kanada


Wanderlust: Weiße Haie brauchen endlose Weiten


Die Körpergröße der Tiere ist zwar nicht ausschlaggebend, aber die Einschränkung eines Beckens bereitet ihnen dennoch Schwierigkeiten. Damit Weiße Haie genug Sauerstoff aufnehmen können, müssen sie sich permanent mit offenem Mund fortbewegen, sodass ständig Wasser durch ihre Kiemen strömt. Sie müssen also immer in Bewegung sein. Sogar im Schlaf schwimmen sie einfach im endlosen Blau weiter. In der scheinbaren Unendlichkeit der Ozeane legen die Räuber enorme Strecken zurück – 4.000 Kilometer pro Monat sind absoluter Standard. Kein Aquarium der Welt kann ihnen diese Freiheit bieten und der Wanderlust der Weißen Haien gerecht werden.


Weiße Haie in Gefangenschaft „verlieren den Verstand“


Weiße Haie nehmen ihre Umgebung mit einem sehr empfindlichen sensorischen System wahr – den „Lorenzinischen Ampullen“. Hierbei handelt es sich um Hohlräume am Kopf der Tiere, in denen sich Nervenzellen befinden. Diese reagieren auf elektrische Felder. So können sich die Haie in ihrer Umgebung orientieren und Beute finden. Forscher vermuten jedoch, dass technisches Equipment und die Glasscheiben der Aquarien Weiße Haie verwirren und sogar komplett orientierungslos machen können.

 

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Auch andere Haie-Arten können nicht in Aquarien überleben


Der Weiße Hai ist wohl das prominenteste Beispiel für freiheitsliebende Haifische. Doch es gibt auch andere Hai-Arten, die in Gefangenschaft verenden – wahrscheinlich aus denselben Gründen.


„Auch andere Haie, wie zum Beispiel der Makohai oder der über 400 Jahre alt werdende Grönlandhai, können nicht in Aquarien gehalten werden.“ - Dr. Manuel Dureuil

Tierschützer hoffen also, dass es keine weiteren Versuche geben wird, Weiße Haie in Zoo-Aquarien zu halten, weil es schlichtweg keine Erfolgschancen gibt. Auch das Gefangenhalten von Definen und Orcas im Hinblick auf Tiershows nimmt seit Jahren ab. Es hat ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden.



 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) Spiegel Wissenschaft: „Weißer Hai stirbt nach drei Tagen Gefangenschaft“

(2) Spiegel Wissenschaft: „Weißer Hai beißt sich in die Freiheit“

(3) Deutschlandfunk Nova: „Weiße Haie sterben in Gefangenschaft“

(4) The Weather Channel: „Weiße Haie sieht man nie in Aquarien: Und das ist der Grund“

(5) n-tv: „Warum sterben Weiße Haie in Aquarien?“