• Anastasia Michailova

Mit dem Fahrrad vor T-Rex flüchten: Wie schnell war ein Tyrannosaurus?

Wie schnell ein T-Rex laufen konnte, beschäftigt Paläontologen seit dem Fund der ersten Tyrannosaurus-Fossilien vor über 200 Jahren. Als klar wurde, wie groß dieser Dinosaurier wirklich war, was für lange Hinterbeine und winzige „Arme“ er hatte, begann bei Wissenschaftlern auf der ganzen Welt ein Kopfzerbrechen darüber, wie T-Rex seine Beute jagte – bzw. mit welcher Geschwindigkeit.


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Animatronische Figur von T-Rex im Natural History Museum in London, Bild: Amy-Leigh Barnard (Unsplash)

In Hollywood-Filmen kann Tyrannosaurus rex Autos verfolgen. Vor ihm ist buchstäblich kein Entkommen. Aber war das wirklich so? Jurassic Park Fans müssen wir leider enttäuschen. Nach neuesten Computersimulationen hätte man T-Rex mit einem Fahrrad überholen können. Aber der „König der Dinosaurier“ besaß eine ganz andere Strategie, mit der er Erfolg hatte: Ausdauer statt Geschwindigkeit!



T-Rex: Ein jahrzehntelanger Streit


Um das tatsächliche Lauftempo von T-Rex wurde jahrzehntelang gestritten. Bisher ging man in der Wissenschaft davon aus, dass ein Tyrannosaurus bis zu 53 Kilometer in der Stunde zurücklegen konnte. Rund 50 km/h wären durchaus angsteinflößend, wenn diese Zahl stimmen würde. Forscher der University of Manchester haben eine neue und noch komplexere biochemische Analyse anhand der aktuellsten Daten erstellt und viel über die bisherigen Werte nachgedacht. Die Computersimulation veranschaulichte einen fiktiven Wettlauf zwischen einem Menschen und der bis zu 13 Meter langen und bis zu neun Tonnen schweren „Riesen-Echse“ – mit einem überraschenden Ergebnis!


Laufgeschwindigkeit: Komplexere Simulationen bringen Licht ins Dunkel – und Verwunderung


Statt der bisher gängigen 53 km/h kamen die Forscher nur noch auf 19 km/h. Der Grund: Wäre T-Rex schneller gelaufen, wären seine Knochen gebrochen. Eine andere Studie der University of Maryland kam auf maximal 27 km/h – also immer noch ziemlich wenig.



Zum Vergleich:

  • Der schnellste Mensch der Welt schafft 44 km/h im Sprint.

  • Die durchschnittliche Laufgeschwindigkeit eines Sprinters beträgt 30 km/h.

  • Ein untrainierter Mensch läuft rund 10 km/h.

  • Ein Fahrradfahrer fährt (je nach Fahrrad) bis zu 30 km/h im Durchschnitt.

  • Radfahrer der Tour de France erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h.

Man hätte also mit einem Fahrrad vor T-Rex davonfahren können, wegrennen wahrscheinlich nicht.


„Diese Studie arbeitet mit der Annahme, dass bei der Höchstgeschwindigkeit nicht die Muskeln der begrenzende Faktor waren. Bei der bisher vermuteten Höchstgeschwindigkeit hätte sich der T-Rex laut dem Modell die Fußknöchel gebrochen.“ - John Hutchinson, Experte für Evolutionäre Biomechanik am Royal Veterinary College, London

Es ist jedoch nicht leicht, die Gesamtheit aller Faktoren zu berücksichtigen, die für eine zuverlässige Messung der möglichen Laufgeschwindigkeit eines Tyrannosaurus von Bedeutung sind – von der Morphologie bis hin zu den mechanischen Eigenschaften der Knochen bezogen auf die Größe und das Gesamtgewicht des ganzen Tieres.


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Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder vermutet wurde, ist man heute der Meinung, dass T-Rex kein Aasfesser war, sondern auf Jagd ging. Jon Butterworth (Unsplash)

Tyrannosaurus: Wozu dann die langen Beine?


Bisher ging man immer davon aus, dass besonders lange Beine eine entsprechend hohe Laufgeschwindigkeit zur Folge haben. Doch das ist nicht immer der Fall. Ab einem Gesamtgewicht von rund 1.000 Kilogramm bringen lange Beine keine zusätzliche Geschwindigkeit mehr, sorgen dafür aber für mehr Effizienz und Ausdauer. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der University of Maryland, nachdem sie biomechanische Modelle des Laufverhaltens von 70 Dinosauriern ausgewertet hatten.

 

Buchtipp zum Artikel: „Dinosaurier und andere Lebewesen der Urzeit: Die große Bild-Enzyklopädie“


 

T-Rex musste bei seinem Jagdverhalten auch nicht besonders schnell laufen können. Seine Beute, zum Beispiel der Triceratops, war nicht sehr schnell, aber dafür ziemlich wehrhaft. Um einen Triceratops zu erlegen, braucht man vor allem Ausdauer und sehr viel Gewalt – also keine hohe Laufgeschwindigkeit.


Unser Bild von T-Rex ist falsch


Natürlich lässt sich eine schwerfällige und langsame Riesen-Bestie in Filmen nicht so gut darstellen, wie ein flinker und geschickter Jäger. Das Bild, das wir vom Tyrannosaurus rex haben, ist also weitestgehend durch Hollywood geprägt. Nichtsdestotrotz ist T-Rex zu Recht einer der interessantesten Dinosaurier in Film und Forschung.



„Das Bild des T-Rex, das Filme vermitteln, ist falsch. Paläontologen ist das jetzt schon seit über zehn Jahren bewusst, und diese neue Studie macht das nun mithilfe der bisher fortschrittlichsten Computermodell-Studien unmissverständlich klar. […] Er (T-Rex) muss schnell sein, sonst ist er nicht cool. Die Leute haben eine emotionale Bindung zu ihm. Auf gar keinen Fall hätte der T-Rex in ‚Jurassic Park‘ mit diesem Jeep Schritt gehalten, wenn der mit voller Fahrt unterwegs war. Vielleicht im ersten Gang, aber selbst das ist noch ein großes ‚Vielleicht‘.“ - Stephen Brusatte, Paläontologe an der University of Edinburgh
 

Quellen bzw. weiterführende Links:


(1) PeerJ: „Investigating the running abilities of Tyrannosaurus rex using stress-constrained multibody dynamic analysis“

(2) PLOS ONE: „The fast and the frugal: Divergent locomotory strategies drive limb lengthening in theropod dinosaurs“

(3) National Geographic: „Wir wären schneller als ein T. rex“

(4) wissenschaft.de: „T. rex: Ausdauer statt Geschwindigkeit“

(5) Spiegel Wissenschaft: „T-rex-Tempo: Wie schnell war der König der Kreidezeit?“